Zum zweiten Mal: Die Schulter

Foto: Schwimmstreckenglücksschwein: Zum zweiten Mal in der Saison profitiert Steffen von zu kurzen Schwimmstrecken und diesmal macht er sogar was draus. Platz drei sei ihm gegönnt – sonst ist das Schwimmen ja immer zu lang!

Kyffhäuser-Triathlon

Sonntag, 3. Juli 2011

Stürmischer Wind und wirklich hohe Wellen für einen Binnensee erwarteten uns. Wir hatten uns auf Dauerregen eingestellt – der blieb aus. Zwei Runden Schwimmen, der See war so aufgewühlt, dass es unter Wasser dunkel war und man seine eigene Hand nicht sehen konnte. Besonders kalt fand ich es nicht – andere hatten da größere Probleme. Kurz vorm Start war abzusehen, dass der Start nicht von Land aus sein würde, wie gefordert. Zu schlecht konnte man den Sprecher verstehen. Ich sah zu, dass ich wieder in die erste Reihe kam, denn ich rechnete jederzeit mit einem unvermittelten Startschuss. Dann wurde einfach gezählt und es ging los.

1500 m, nein 750 m Schwimmen 

Ein paar Hechtsprünge – ich war ungewöhnlich weit vorn. Dann zogen die Schnellen vorbei und plötzlich setzten wie erwartet heftig die Wellen von links ein. Ich war links vom Feld und schwamm versetzt neben Maiks Beinen. Die Bojen waren nur zu erkennen, wenn ich einen Brustzug machte, was ich schon seit Jahren nicht mehr machen musste. Ich sah, dass vor uns alle irgendwie in „Richtung 10 Uhr“ schwammen, die Boje jedoch auf 12 Uhr tanzte. Gerade wollte ich Maik antippen und ihm vorschlagen, dass wir mal da lang schwimmen sollten, da bemerkte er dasselbe und wir bogen rechts ab. Das lief gut – wir hatten Platz, waren auch bald an der Boje und hatten – soweit ich es erkennen konnte eine Menge Boden gutgemacht. Dann rechts ab und Wellen von hinten. Damit kamen die vor uns etwas besser klar, wir verloren etwas an Boden. Immer genau nebeneinander. Die Wendeboje kam schnell – jetzt nur noch zurück und dann die zweite Runde. Die Kracher kamen jetzt von rechts und noch auf dem ersten Drittel zum Land hob mich eine Welle an und mit ausgestrecktem rechten  Arm – genau meine Schwachstelle – knallte ich in das Wellental. Mein Arm schmerzte und ich konnte ihn nicht mehr bewegen. Es war mir sofort klar, was passiert war: Ich hatte mir wie zuletzt vor zwei Jahren die Schulter ausgerenkt. Ich geriet leicht in Panik, da die Wellen mir jetzt noch bedrohlicher erschienen. Ich hob die Hand und rief das Rettungsbot heran. Sie zeigten irgendwas an Land und dachten wohl, ich finde den Ausstieg nicht. Ich schrie um Hilfe – sie kamen angefahren und trieben erstmal an mir vorbei. Eine unendliche Zeit verging, bis sie es schafften, wieder zu mir zu manövrieren. Ich hielt mich an der Bordwand fest – sie wollten mich reinheben. „Vergesst es – mein Arm tut weh, helft mir lieber ihn wieder reinzumachen.“ „Können wir nicht! Wir schleppen dich an Land.“ „Nein, ich habe Angst vor der Schraube! (es war ein Motorboot). „Los halt dich fest!“ „Ich kann nicht mehr, meine Schulter tut weh – ich schwimme jetzt an Land – gebt mir was, woran ich mich festhalten kann!“ „Haben wir nicht!“ Ich ließ los ..

Einer von ihnen sprang zu mir ins Wasser und begleitete mich an Land. Ich schwamm wie mein Opi Fritze – der einen Arm im Krieg verloren hatte – mit dem linken Arm voran und ließ meinen ausgerenkten hinter mir hertreiben. Das ging. Wir trieben ab. Mindestens 100 m vom Ausstieg entfernt kamen wir an Land und jetzt tat es erst richtig weh. Mein Helfer rannte los, um Hilfe zu holen und ich versuchte meinen Arm irgendwie zu stützen. Scheiße, so hatte es noch nie wehgetan. Ich musste anhalten und ließ den Arm runterhängen. Ich sah eine Bank – meine Rettung. Ich hing den Arm über die Sitzlehne und wartete, dass sich die Muskulatur entspannte. Nach ca. 15 sek wurde die Schulter locker und – schwupp – wieder drin. Schmerzen fast komplett weg. Deprimiert ging ich zum Ziel und der Sprecher sagt mir: „Ja doofe Bedingungen heute – wir haben das Schwimmen nach der ersten Runde abgebrochen.“ Ich überlegte kurz. Ich war allein geschwommen und hatte nicht abgekürzt – es war sogar ein Umweg. Ich fragte ihn, ob es ein Problem wäre, wenn ich weiter mache. Er sah mich zwar ein wenig verwundert an, meinte aber, dass das ok wäre.

Knapp 36 km Rad

Ich lief also zu meinem Rad und hörte noch im Rauslaufen, dass ich LETZTER bin. Ohgottogottogott, wie sollte ich da noch Spannung aufbauen? Am Hüfler holte ich dann die ersten bzw. letzten ein. Auf der Abfahrt versuchte ich eine Balance zwischen Schnellfahren und „bloß nichts riskieren, wenn du schon am Ende des Feldes baumelst“, zu finden. Es rollte. Glücklicherweise trocknete die Strecke ab. Auf der Straße nach Badra stand der Wind in seiner ganzen Kraft von vorn. Ich hatte gute Beine und drückte das große Blatt ohne Probleme hoch. Bis Badra hatte ich bestimmt schon zehn Plätze gutgemacht. Die Abfahrt war noch teilweise feucht – ich fuhr so vorsichtig und schnell es eben ging. Am Start vorbei und hin zum Kyffhäuser. Vom Ortsausgang sind es genau 5 km. Kilometerstand merken für den Kopf! Ich sah etliche Fahrer vor mir und sammelte gut ein. Ich freute mich, dass unter den ersten zwanzig noch keiner von unseren Leuten war. Im oberen Teil war es dann zuerst Norbert, der „dran glauben“ musste, ein paar Minuten danach Conrad kurz vorm Gipfel. Der machte sich den Spaß und überholte mich wieder. Ich freute mich schon, dass wir ein Stück zusammen fahren, aber er wusste wohl nicht, dass es nur noch zwei bis drei Kurven bis zum Gipfel waren und ließ sich, bevor ich was sagen konnte zurückfallen. Auf der Abfahrt dann schon etwas ungünstiger Wind, so dass sie nicht ganz so schnell war, wie ich befürchtete. Insbesondere nach dem Abzweig nach Steintalleben ist der Belag nicht so gut. Dass es ganz gut ist, Gegenwind zu haben. Aber es rollte. Ich sah Andreas vor mir und wollte schon klugscheißen beim Vorbeifahren, merkte aber, dass er gerade gut überholte und seinserseits ziemlich schnell unterwegs war. Ich beschränkte mich darauf, ihn anzufeuern. Auch ihm war die Verwunderung anzusehen, dass ich ihn überholte.

Im Ort dann Chris Heinicke und im Anstieg nach Badra endlich Mic Hartung. Ich war also wieder in der Gegend, wo meine „übliche“ Konkurrenz beginnt. Mic und ich hatten vor dem Rennen schon wieder über unser Hüfler-Duell gescherzt und ich überraschte ihn mit den Worten: „Hast heut‘ wieder gewonnen.“ Er war verdutzt und rief nur etwas anerkennendes hinterher, weil ich diesen Berg gerade offensichtlich besser hochkam als er. Kurz vor Badra sah ich dann eine leuchtend grüne Jacke vor mir und dachte nur … nein, das kann er nicht sein. Die Figur und das Rad – doch es war Dirk. Wir sahen uns beide mit dem „machstn-du-hier-Blick“ an und ich fragte dann auch. Er erzählte mir einigermaßen enttäuscht, dass er nach seiner Krankheit noch völlig außer Form sei. Ich jammerte ihm kurz meine Ausrede vor und wir stürzten uns in die mittlerweile abgetrocknete Abfahrt zum Ziel. Ich merkte, dass von meinem beinahe-Sturz beim Unitri doch was im Kopf hängengeblieben war. Er hängte mich in den Kurven gnadenlos ab. Erst im Auslauf des Berges zog ich vorbei. Wechsel lief gut.

10 km Laufen

Keine Ahnung wie ich lag. Die ersten sah ich gerade vorbeilaufen und hoffte, dass sie erst in die zweite und nicht in die dritte Runde gingen. Kurz darauf kam Steffen vorbei und meinte schadenfroh „heute bin ich in DEINER Runde“ (in Anspielung darauf, dass ich letztes Jahr eine Runde Vorsprung hatte – zumindest nach dem Radfahren). Ich konnte nur kleinlaut hinterherrufen: „Ich aber nicht in deiner!“ Es fing an zu regnen. Schön! Genau mein Wetter! „Läuft auch ganz gut“ wechselte sich regelmäßig ab mit „warum soll ich eigentlich noch schnell laufen“ Die Rövers überrundeten mich und ich hatte das Gefühl, dass sie nicht sooo schnell davonliefen. Ich stoppte meine Rundenzeit nach der zweiten Runde. Wenn die Strecke stimmt, war ich die ersten Kilometer unter 4:10 im Schnitt gelaufen, was für mich ziemlich gut ist. Die dritte Runde ging dann leider etwas langsamer. Aber Mic und Ulf kamen nicht wirklich gefährlich näher. Gut, Ulf war fast eine Runde vor mir aber ich war eben noch nicht überrundet. Und Mic würde mich auch heute nicht schlagen, soviel war am letzten Wendepunkt klar. Dirk, der zwischendurch schon zwanzig Sekunden hinter mir war, lief dann doch wieder zu mir auf. Ich lief in seinem Windschatten bis ca. 500 m vorm Ziel. Dann verließ mich der Biss wich der Angst, dass ich meinen Muskelfaserriss in einem Endspurt „wieder auffrischen“ würde. Ich ließ reißen. Der Rest ging schnell vorbei. Keiner knapp hinter mir, so dass ich einigermaßen ruhig ins Ziel laufen konnte. Obwohl ich zwischendurch immer wieder das Gefühl hatte, nicht voll zu fahren und zu laufen, weil mir die Motivation fehlte, war ich im Ziel komplett im Eimer. Platz 19 nach Platz 54. zum Radstart war doch eine ordentliche Jagd. Damit kann ich eigentlich zufrieden sein. Wenigstens bin ich – wenn auch mit viel Glück – wiedermal um meinen ersten Wettkampfabbruch in 26 Jahren drumherumgekommen.

Kompliment an die Organisation, die bei diesem Sturm und Regen doch einen aus meiner Sicht sehr guten Wettkampf hinbekommen hat. Ich habe natürlich nicht ernst gemeint, wie ich den Wettkampf genannt habe, Pfeff. Ich mag den Wettkampf und werde natürlich weiterhin bei euch starten!

Und Dank natürlich an Spange und meine anderen Retter. Ich hoffe, ich war nicht zu unfreundlich – ich war echt im Stress!

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