Uni-Triathlon – Platz 10

Uni-Triathlon, 15. Juni 2016

Nachdem ich im letzten Jahr mit denkbar schlechter Vorbereitung 16. geworden war und ich dieses Jahr hingegen 2 Monate Elternzeit im Frühjahr hatte, war ich einfach besser vorbereitet. Das stand fest. Allerdings hatte ich 2015 auch besonderes Glück (ich schwamm z.B. die gesamte Strecke an Marie Alerts Füßen) und ein extrem gutes Rennen. Würde das also so leicht zu toppen sein?

Am Tag vor dem Rennen hatte ich so unglaublich gute Beine, dass ich mir sicher war, dass es nur gut werden könne. Leider fühlte sich das Ganze am Mittwoch schon nicht mehr so gut an. Ich war aufgeregt! Den ganzen Tag lang müde und der Magen war flau. Im Vorfeld hatte zudem ein Team vom MDR angefragt, ob es mich während des Rennens begleiten könne. Klar – warum nicht. Das machte die Sache noch zusätzlich spannend. Ich bekam also eine Gopro ans Rad und wurde vor dem Rennen schonmal interviewt.

Dritte Welle – das bedeutet, man hat noch ein bisschen Zeit zum Warmmachen, wenn die anderen schon starten. Leider habe ich es im strömenden Regen vor dem Start mal wieder geschafft, es zu vertrödeln und als der Start der ersten Welle nahte, stand ich noch auf dem Klo an. Aber 20 min waren ja noch Zeit und so schaffte ich es dann doch noch, auf dem Weg zum Start ein wenig zu laufen und zu schwimmen. Das fühlte sich auch ganz gut an. Also konnte es losgehen.

Wie so meist verzichtete ich auf die „Innenbahn“ und stellte mich an den rechten Rand des Feldes. Mit 400 Voranmeldungen war das Startfeld so groß, dass ich mir im Vorfeld nur die Mühe gemacht hatte, meine eigene Welle durchzuschauen, wer denn wohl wie schnell schwimmt. Dem Kamerateam hatte ich gesagt, dass ich so ungefähr als Zehnter aus dem Wasser kommen würde.

Dafür, dass die Welle ca. 130 Starter groß war, ging es beim Start sehr gesittet zu. Es zog sich sofort auseinander und die erste Boje schien mir auch weiter draußen als sonst. Neben mir Christian Damboldt, so wie im letzten Jahr. Also alles beim Alten? Nein, er fiel zurück und von hinten kam eine zierliche Schwimmerin, die ich nicht kannte. Ich wechselte an ihre Füße. Besser gesagt, ich begann, durch die Blasen zu kreuzen. Entweder sie oder ich oder wir beide schwammen Schlängellinien. Irgendwann konnte ich die Linien synchronisieren und war dahinter. Ich kam in meinen Rhythmus und während ich eben noch kämpfen musste, schlug ich ihr auf die Füße. Also kurz mal die „Nase in den Wind halten“ und tatsächlich – Zentimeter für Zentimeter kam ich voran und war allmählich neben ihr. Verpulvere ich sinnlos Kraft für eine halbe Länge? Nein? Es fühlte sich gut an und während wir das Ende der zweiten Welle erreichten, war ich nun vorn. Ich drehte mich ein paar Mal um. Sie blieb nichtmal dran und auch sonst keiner mehr hinter mir. Komisch! Ich dachte nicht weiter drüber nach und konzentrierte mich auf die Technik und darauf, nicht das Tempo zu vertrödeln. Ich war jetzt richtig drin in der zweiten Welle und musste aufpassen, nicht aufzuschwimmen. Aber alles ging gut und ich kam hochkonzentriert und mit einem ziemlich guten Gefühl an Land.

„Achte Gelbe Badekappe“, rief Andreas mir zu. Naja, das hörte sich zumindest nicht enttäuschend an. Dafür dass ich den Neo erst einmal an- und ausgezogen hatte vor dem Rennen, klappte jeder Handgriff so gut, dass ich den Neo schon so weit vor meinem Platz auf der Hüfte hatte, dass ich irgendwie das Gefühl hatte, etwas vergessen zu haben. Hatte ich aber nicht und schwuppdiwupp saß ich auf dem Rad.

Es hatte aufgehört zu regnen aber die Straßen waren komplett nass. Da ich einerseits ordentlich Druck auf den Reifen hatte und andererseits nicht der beste Regen-Kurven-Fahrer bin, entschloss ich mich, nicht alles zu riskieren und etwas ruhiger durch die Kurven zu fahren.

Die Strecke war voll. Nicht die Riesenpulks der früheren Jahre – als noch alle in einer Welle starteten – aber voll. Ich musste etliche Male rufen. Bis auf eine kleine Herzschlagsituation in der Rechts-Links-Kombi am Ende des Wäldchens ging es aber erstaunlich glatt. Die Führenden der ersten und zweiten Welle kamen mir ziemlich früh entgegen. Ich machte mich aber nicht verrückt, da ich wusste, dass die Wellen nicht immer exakt in 10-min-Abständen starten. Die Führenden meiner eigenen Welle konnte ich überhaupt nicht ausmachen, da wir mitten in den ersten beiden Wellen steckten und naja – irgendwie war ich an der Wende wohl doch nicht so konzentriert. Aber Robert Zander sah ich kurz hinter mir. Hoppla, der war ja gegen Ende der letzten Saison schon schneller als ich geschwommen. Heute also hinter mir! Aber der würde jetzt sicher gleich kommen. Kam er aber erstmal nicht. Während ich weiter überholte, wuchs mein Selbstvertrauen. Das bekam erst wieder einen kleinen Dämpfer als ich an der Stelle vorbeikam, an der ich Ulf begegnet war. Das waren jetzt aber deutlich über 10 min, die ich bis dort hin gebraucht hatte. Ulf also wieder vor mir. Naja – hätte ja klappen können, dachte ich mir und fuhr weiter. Robert immer noch nicht da. Während ich gegen Ende der Radstrecke doch meine Beine schon ein wenig merkte, kam er dann mit einem satten Tempo vorbei. Naja, dass da was faul dran war, merkte ich sofort – in dem Tempo hätte er mich ja schon am Friedhof haben müssen. Und klaro – er kam nicht wirklich weg. Also hatte er ordentlich Schwung geholt, um mich zu schocken oder zumindest sicher zu sein, dass ich mich nicht reinhänge. Das mache ich natürlich nicht. Aber so ganz wegfahren ließ ich ihn dann auch nicht. Und schon waren wir auf der Zielgeraden.

Wieder Hochbetrieb. Ich musste rufen – und wieder wurde mir Platz gemacht. Danke! Jetzt klaren Kopf behalten: Um schnell zu wechseln, musste ich das Rad mit der linken Hand in den Ständer stellen, damit ich auf der Seite meiner Schuhe stehe. Ich steige aber links ab und habe das Rad somit rechts. Ich überlegte noch schnell, ob ich rechts absteigen solle. Ich kann das. Ich entschied mich aber doch dagegen. Stattdessen schob ich das Rad am Sattel vor mir und wechselte auf links.

Norbert hatte sein Rad in meinen Ständer gestellt. Gut, dafür war seiner frei – macht nix. Helm ab, Schuhe an und los. Robert hatte keine Sekunde beim Wechsel verloren und lief vor mir raus. Mittlerweile hatte ich keine Ahnung mehr, wie ich lag – nichteinmal in meiner eigenen Welle. Also los! Wenn er schlecht schwimmt, vielleicht läuft er dann ja auch schlecht. Die Hoffnung stirbt zuletzt. Aber Robert wurde schnell kleiner und im Wald war er dann weg. Weit gucken konnte man ohnehin nicht, weil der Weg voller Läufer(innen) der ersten beiden Wellen war. Viele machten Platz, manche nicht. Der Weg war feucht und schmal aber nicht wirklich matschig. Aber wie auf der Straße lief es sich dennoch nicht. So war ich denn mit 4:14 min auf dem ersten Kilometer zwar nicht zufrieden, konnte es mir aber erklären. Endlich war der Waldweg zu Ende und auf der Straße zeigte mir meine Uhr dann auch gleich eine freundliche 4:10 an. Ich lief auf Florian Frommhagen auf. Naja fast. Als er mich sah, zog er an und war wieder 5-6 Meter vor mir. Na sowas liebe ich doch, dachte ich mir. Ich kämpfte mich wieder heran und bei 3 km hatte ich ihn wieder. Ich versuchte ihn zu motivieren, weiterzumachen – schließlich konnte das nur gut für uns beide sein. Auf der Zeltplatzstraße ließ er dann aber doch reißen und es half auch kein gut Zureden mehr. Ralf Hünecke und Matze Magdowski sah ich schon die ganze Zeit vor mir und langsam war ich in Schlagweite. Gerade als ich mir sicher war, dass ich sie kurz vorm Ziel überholen würde, begannen sie, ihr persönliches Duell mit einem Sprint zu entscheiden. Ich konnte verdammt nochmal nicht mithalten. Jetzt nur nicht lockerlassen, schließlich gibt es ja noch zwei Wellen. Ich sprintete – zumindest fühlte es sich so an. Als es auf die Wiese ging, kam Lola und wollte mit Papa ins Ziel laufen. Ich musste leider vorbeilaufen uns rettete mich ins Ziel. Und das war auch gut so, denn Frank Schräpel war in Welle 2 gestartet und am Ende gerade Mal 4 sek hinter mir.

Der MDR war gleich wieder zur Stelle und fragte mich zum Rennen aus. Tja, was konnte ich sagen? Hat sich ganz gut angefühlt – aber keine Ahnung. Alles zwischen 15 und 30 hätte mich nicht gewundert. Ich ging erstmal zu meiner Familie. Irgendwie hatte ich Angst, auf die Liste zu schauen, um nicht enttäuscht zu werden. Nebenbei hörte ich, dass Ulf Zwölfter ist. Au weia, dachte ich. Dann war es doch wieder so stark besetzt, dass ich wohl etwas weiter hinten gelandet bin. Da Ulf der bessere Läufer ist und ich ihn auf dem Rad vor mir gesehen hatte, musste ich einfach davon ausgehen, das ich hinter ihm lag. Und dann: Grammi – du bist Zehnter! Und drittbester Magdeburger! Ich fall um! Das ist doch mal ein Saisonauftakt!

Und die Fotos von Wolfgang Ronge