Überraschung in Schwedt

Christian Gramm - Triathlon Schwedt 1989

Schwedter Triathlon

Sonntag, 10. September 1989

Ich fragte meinen alten Schulfreund Jörg, der mich schon 1986 zum ersten Kali-Triathlon begleitet hatte, ob er nicht mal wieder Lust habe, mit zu einem Wettkampf zu kommen. Er hatte und wir verstauten mein Rad in seinem Trabi Kombi und tuckerten los. Erwartungen hatte ich keine, bei Rennen irgendwo in der DDR landete ich meist im Mittelfeld.

In Schwedt sollten drei Wettkämpfe zur gleichen Zeit stattfinden: Ein Minitriathlon, ein olympisch-ähnlicher und ein Mitteltriathlon. Ich wählte den Olympischen, der lag mir schon immer am besten.

1000 m Schwimmen im Freibecken, 35 km Rad und 12,5 km Laufen standen auf dem Programm. Nach dem Schwimmen war ich so ca. 25. – eine normale Platzierung. Zum Radwechselgarten war es recht weit, dann der Wechsel aufs Rad und los.

Ich hatte endlich ein Rennrad, mit einem aus Wasserleitungsrohr selbstgebogenen Aerolenker, der bestimmt zwei Kilo wog. Die Radstrecke bestand gefühlt zu drei Vierteln aus Kleinpflaster. Mein Rad rollte gut darauf bzw. ich hatte die richtige Geschwindigkeit. Es lief und ich sammelte einen nach dem anderen ein, während ich von 25 die Plätze runterzählte. Als ich so bei zehn angekommen war, tauchte vor mir einer auf, der sich von einem Motorrad begleiten ließ. Ich war sauer und wollte es ihm zeigen. Mit Extraschwung fuhr ich vorbei und der Motorradfahrer gab Gas und begleitete nun mich. Mein erstes Erlebnis mit einem Führungsfahrzeug. Es schnürte mir die Kehle zu und ich konnte es nicht so recht glauben, dass ich schon weit vor der Wende in Führung liegen sollte. Außerdem fehlten ja noch rund zehn Leute. Als ich an der Wende dann feststellte, dass ich tatsächlich führte, konnte ich mir nur erklären, dass ich etwa zehn Leute beim Wechsel überholt hatte.

Jetzt begann das Rennen erst richtig. Bereits ein Jahr zuvor war ich in Binz mal als erster vom Rad gekommen und hatte ich wie ein Superstar gefühlt. Dieses Gefühl wollte ich wieder! Ich fuhr was ich konnte und pfiff wie auch heute noch bei jedem Rennen darauf, ob ich noch irgendwelche Körner für die Laufstrecke haben würde. Ich kam als erster vom Rad und es war grandios.

Ok, jetzt noch gut über die Laufstrecke kommen und dann wird schon ein ganz guter Platz dabei herausspringen. Was ich nicht wusste, war, dass ich über 5 min auf den Zweiten herausgefahren hatte und der auch nicht viel schneller lief als ich. So ging es über endlose Plattenwege ins nächste Dorf und auf der Straße wieder zurück. Mein Begleitungsradfahrer wollte nicht reden, das war schon damals verboten. Er sagte aber trotzdem ein paar Mal, dass da keiner komme. Ca 1500 m vor dem Ziel dann: „Hundert Meter hinter dir kommt einer“. Ich hatte nicht im Geringsten mit einem Sieg gerechnet aber so kurz vor dem Ziel wollte ich ihn dann auch nicht mehr aus der Hand geben. Also 1500 m Endspurt. Dummerweise bogen jetzt die Teilnehmer des Minitriathlons auf unsere Strecke, so dass ich nicht mehr sehen konnte, wer nun wer ist. Umdrehen zwecklos. Also sprintete ich bis zur Ziellinie ohne auch nur die Arme hochzunehmen, weil ich nicht den Überblick hatte, wer denn nun mein Verfolger war. 30 Sekunden waren mir am Ende noch geblieben. Mein erster Sieg bei einem DDR-offenen Rennen. Sensationell!