Sechster!

Foto: Matthieu holt sich den Gesamtsieg und den Landesmeistertitel. Glückwunsch!

Arendseetriathlon

Sonntag, 14. August 2011

Die erste Nachricht des Tages war: Das Schwimmen ist auf 1.000 m verkürzt, weil der See 17 Grad hat. Das fand ich zunächst mal ziemlich lächerlich, da Pitt eigentlich dafür bekannt ist, wenn es nur irgendwie geht, den Neo ganz zu verbieten. Eigentlich ist es mir egal, wie weit geschwommen wird, da ich die meiste Zeit auf den ersten 500 m verliere, danach kaum noch was. Somit konnte mich das nicht aus dem Konzept bringen, zumal ich aufgrund meiner durchwachsenen Saison ohnehin nicht mit der größten Motivation angereist war. In der Meisterschaft waren wir auch durch und Landesmeister würde ich sicher nicht werden – zumindest nicht insgesamt, dafür sind ja schon die Rövers zu stark und TTT hat mich zuletzt auch immer komplett abgekocht. Ich hatte vorher nichtmal in die Startliste gesehen. Als ich dann unter anderem Marcel, Cornelius, Patrick und Matthieu sah, bereitete ich mich im Kopf schon auf einen zweistelligen Platz vor.

Höchstens 900 m Schwimmen

Also rauf auf den Dampfer. Das Wasser war wie erwartet angenehm. Ich entschied mich, ganz rechts zu starten, schließlich kam ja der Wind von rechts. Der See war allerdings glatt und den Wind merkte man nicht. Also ideale Bedingungen. Ich kam sehr gut weg und ebenso gut in meinen Rhythmus. Ich entschied, mich nicht einzuordnen, als die „Linksstarter“ näher kamen, sondern mein Tempo allein zu schwimmen. Vor mir meinte ich, Tiger am Schwimmstil zu erkennen und der relativ geringe Abstand beruhigte mich. Leider sah ich Maik nicht, mit dem ich zuletzt immer geschwommen war. Ich beschloss, dass er bestimmt hinter mir sei, da ich mich ja so gut fühlte. Mein Gefühl trügte nicht: Die Gruppe mit Tiger, Fritze und Matze stieg 20 sek vor mir aus dem Wasser und Maik hatte sag und schreibe 40 sek verloren. Auf dem Weg nach oben fragte ich drei oder vier Leute, auf welchem Platz ich liege und es konnte mir keiner sagen. Das heißt auf Deutsch: Du bist so weit hinten – soweit zählt hier keiner. Kurz bevor ich mich darüber so richtig ärgern konnte, wurde mir doch noch zugerufen, dass ich Elfter bin, die Ersten aber schon zwei Minuten weg sind. Meine Fresse – zwei Minuten!

40 km Rad

Als ich aufs Rad stieg, sah ich Matze direkt vor mir und noch im Ort auch schon zweimal MTC-Farben. Ach schön! Wieder fuhren sie aber so schnell los, dass ich erstmal gar keinen überholte. Dann nach der 90 Grad Rechtskurve ging es aber los: Selbst Martin hatte als Drittschnellster nur gut 45 Sekunden auf mich rausgeschwommen. In kurzer Folge konnte ich Matze, Thomas Barrasch, Patrick, Franzi, und dann endlich auch die Rövers überholen, die ihrerseits schon ordentlich überholt hatten. So war ich kurz hinter Schrampe schon bis auf Platz drei vorgefahren. Mein Transponder hing etwas locker am Fußgelenk und ich überlegte gerade, wo ich den verstauen würde. Ich hörte Fritze noch von hinten irgendwas rufen. Als ich das nächste Mal nach unten sah, war der Transponder schon weg. Sch… Umkehren geht gar nicht. Also weiter. Ich wusste allerdings nicht, ob ich nun Zweiter oder Dritter war. Gar nicht viel später sah ich dann in der Ferne das Führungsfahrzeug mit EINEM dahinter. Aber so richtig schnell kam ich nicht näher. Kurz vor der Wende sah es dann gut aus. An der Wende war ich vielleicht noch 100-150 m dahinter und es waren doch zwei. Thomas Schmidt – den ich bis dahin noch gar nicht kannte – hatte irgendein Problem an der Wende. Wahrscheinlich Kette runter oder sowas. Das wird ihn am Ende den Sieg gekostet haben. Kurz bevor ich dran war, fuhr er weiter. Ich holte ihn mir praktisch im Beschleunigen. Dann nur noch Matthieu. Ich weiß gar nicht mehr, wo ich ihn dann endlich überholt habe, ich war damit beschäftigt, die Abstände zu checken. Viele kamen mir in Zweier- oder Dreiergrüppchen entgegen und kein Kampfrichter weit und breit. Erst irgendwo im Mittelfeld dann ein Motorrad. Am Ende gab es eine einzige Zeitstrafe – auch das ist lächerlich im Vergleich zu den Sofort-Disqualifikationen in Stendal.

Ich konzentrierte mich auf mein Rennen, nachdem ich mir ungefähr ausgerechnet hatte, was ich werden könnte. Der Vorsprung war nicht wirklich groß und es waren einige, die weniger als 5 min nach mir vom Rad kommen würden und schneller laufen als ich. Somit war ich mir immernoch nicht sicher, unter die ersten Zehn zu kommen. Aber es lief unvermindert gut auf dem Rad und es stellten sich auch keine Schwächephasen oder Selbstzweifel ein. Leider fuhr das Führungsfahrzeug ordentlich weit vor mir. Keine Chance auf Windschatten. Der Wind war schwach, aber genau wie vorhergesagt. Somit die letzten zehn Kilometer Rückenwind. Der war aber längst nicht so stark wie in den letzten Jahren. An 50 km/h war nicht zu denken. Gerademal 45 waren drin. Trotzdem lag ich ungemein gut in der Zeit und nahm den „Schlussanstieg“ nochmal komplett im Stehen mit Kette rechts. Das lockert die Beine und ein Berg tut auch weh, wenn man ihn langsam hochfährt, nur eben länger. Die Stunde würde ich unterbieten – das stand fest. Die größte Überraschung stand noch bevor: Wie fühlen sich die Beine beim Laufen an? Aber erstmal durch diesen elendig langen Wechselraum. Barfuß über Beton und teilweise Kopfsteinpflaster. Aber alles ging gut. Schuhe an und los!

10 km Laufen

Schon im Wechselraum kamen mir Matthieu und Thomas entgegen. Die würden gleich kommen. Aber erstmal als Führender durch die Zuschauer, das fühlt sich gut an. Die Beine auch. Auf dem Weg zum See kamen mir noch so einige entgegen. Ich konnte es gar nicht so schnell mitzählen. Es war vor allem keiner dabei, der langsamer läuft als ich. Schon auf dem ersten Kilometer kamen die beiden dann vorbei. Bei Kilometer 3 oder 4 dann auch schon die Rövers. Was sollte das werden? Ich stoppte die Kilometer mit und lag gar nicht so weit über vier Minuten. Tiger kam nicht so richtig weg. Er sah nicht gut aus. Fritze viel besser. Nach der 5-km-Verpflegung war Tiger dann plötzlich doch weg. Ich versuchte das Tempo zu forcieren, waren ja nicht mal mehr 5 km. Marcel kam dieses Jahr immerhin etwas später als im letzten Jahr. Vielleicht war ich ja doch nicht so langsam? Nachdem ich auf den ersten Kilometern ordentlich mit den Oberschenkeln zu tun hatte – eindeutig vom Dicke-Gänge-fahren – waren die Beine nun lockerer aber Seitenstiche kamen. Hatte ich auch lange nicht. Ich trank trotzdem an jeder Verpflegung. Auf den letzten drei Kilometern verliere ich in Arendsee immer die meisten Plätze. Vielleicht könnte ich ja heute mal was dran ändern. Noch war keiner zu sehen. Ich rannte, was die Beine hergaben. Matze überholt mich immer auf dem letzten Kilometer. Heute nicht! Kurze Schwimmstrecke – wo bleibt eigentlich Steffen? Und Patrick hatte ich doch auch noch reinfahren sehen und Cornelius. Ich war einerseits darauf gefasst, dass demnächst 5-6 Mann an mir vorbeirennen und andererseits fest entschlossen, keinen mehr vorbeizulassen. Ich lief am Anschlag. „Nach hinten keiner zu sehen“, war die einhellige Meinung der Zuschauer. Ich rannte diesen Drecksberg hoch, was ich nur konnte und drehte mich oben um. Tatsache sah ich den Posten noch den Arm heben, um meinem Verfolger den Weg zu zeigen. „Wie lange braucht man, um diesen Berg hochzulaufen?“, fragte ich mich. Ich schnaufte dem Ziel entgegen. Man erkennt am Beifall der Zuschauer, ob es knapp ist oder nicht. Ich achtete genau auf die Zuschauer. Sie lächelten – es könnte also reichen. Meine Beine drohten mir wegzusacken – ich entschloss mich, nochmal nach hinten zu gucken. Das sollte reichen! Ich nahm einen kleinen Schritt raus und lief ins Ziel. Gerade mal 13 sek vor Sebastian Schrader und nochmal zwanzig vor Patrick! Sechster! Wer hätte das gedacht? Ich nicht.

Schicke Bilder von Katrin >>>