Der legendäre Verbremser

Löderburger Triathlon

Sonntag, 28. August 2011

Zehn Minuten vor dem Start ans Wasser und Reiner Kertscher pfeift schon wie wild. Alle raus! Da ich ihn kenne, riskiere ich keine Disqualifikation und begnüge mich mit Armkreisen. Norbert hat eine rote Badekappe auf, Reiner wünscht sich aber ein rein weißes Feld und zählt ihn an. Norbert kann ihn mit der Ausrede „Badekappenriss“ gnädig stimmen und darf trotz dieses unentschuldbaren Vergehens an den Start.

750 m Schwimmen

Startschuss – meine erste Berührung mit dem Wasser – und ich bekomme einen Schock: Viel zu warm! Nach ein paar Schwimmzügen klappe ich die Badekappe hoch und lege meine Stirn frei. Jetzt geht es. Vorn wird richtig schnell losgeschwommen – ich suche erstmal allein mein Tempo. Kurz vor der ersten 90-Grad-Boje reihe ich mich ein, merke aber recht schnell, dass ich jetzt meinen Rhythmus gefunden habe und überhole mehrere Schwimmer. Einer hält gegen und wir schwimmen erst nebeneinander, biss ich dann beschließe, Energie zu sparen und mich einzureihen. Er schwimmt zickzack, doch ich bleibe dahinter bis zum Ufer. Beim Rauslaufen überhole ich Markus. Hm, war ich nicht zuletzt schneller als er? Wo sind die anderen?

23 km Rad

Der Wechsel klappt fast optimal – ich komme gut aufs Rad und sehe Maik vor mir. Na toll – dem hatte ich doch in Arendsee noch gezeigt, wie man schwimmt und jetzt ist er wieder vor mir. (Er wird mir später erzählen, dass er genau MEIN Training angewendet hat – ich darf nicht mehr so viel quatschen) Matze ist auch in Sicht – hat aber deutlich mehr Vorsprung als die letzten Male, ebenso Ulf, Fritze und Tiger. Ich dachte schon, dass ich mir Zeit lasse zum Schuhanziehen aber Maik fängt erst auf der Hauptstraße damit an. Ich bin schon fertig und nutze den Moment. Als nächstes kommt Matze, der schon den Kontakt zu unseren Leuten verloren hat. Ich allerdings auch. Sie fahren mal wieder so schnell los, dass ich zunächst Boden verliere. Durch Hecklingen hindurch hole ich aber wieder auf und bin am Fuße des Col de Hecklingen dran. An Ulf muss ich leider wortlos vorbei, da ich nichts sagen kann vor Atemnot. Ich schnappe mir Tiger und Jonas Meyer, wenn ich mich nicht irre. Fritze kommt wie immer den Berg ziemlich gut hoch und ich komme erst als es flacher wird näher. Zwischendurch kommt Tiger nochmal vorbei. Ich bin überrascht, dann aber doch wieder vorbei. Fritze fährt verdammt gut. Ich sage ihm das, da er offensichtlich mal wieder unsere Sieghoffnung ist. Noch eine knappe Minute vor uns fahren vier Leute dicht beisammen. Von hinten sieht es natürlich aus wie eine Gruppe, ich rede mir aber ein, dass die bestimmt sauber fahren, damit ich nicht ärgern muss. Das einzige Kampfrichtermotorrad parkt auf dem Berg, da wo sie immer stehen und wo man sie schon aus einem Kilometer Entfernung sehen kann. Ich ärgere mich jetzt doch und Tatsache werde ich die Kampfrichter nicht nochmal sehen. An der Abbiegung Winningen haben die vier immernoch 45 Sekunden Vorsprung. Ich sehe aber auch, dass die beiden Vorderen – Fischi und Matthieu sauber fahren. Dahinter fahren Daniel Burckhardt und Stefan Höhlbaum ziemlich dicht hintereinander. Die beiden überhole ich kurz vor der Abfahrt nach Schneidlingen. In der Abfahrt kann ich meinen Materialvorteil ausspielen und komme an Matthieu fast heran. Im Anstieg nach der Kurve überhole ich ihn mit einem aufmunternden „Ah, der Landesmeister“! Er lacht und kann glücklicherweise nicht folgen. Fischi fährt ‘nen ordentlichen Strich, ich komme nicht näher. Erst in Groß Börnecke zahlt sich entweder meine bessere Streckenkenntnis oder meine Fahrweise aus – er fährt die Kurven etwas zaghafter als ich. Ich bin dran und gehe in der letzten Linkskurve vorbei. Er hält allerdings gegen und erst als ich einen der kleinen Hügel im Stehen nehme, bin ich weg.

DER F****** WECHSEL

Rückenwind auf der Straße zum See – bei Tempo 50 Schuhe ausziehen und schon vor der Brücke fertig sein, da man bei der Einfahrt in Löderburg sehr aufmerksam sein muss. Das Motorrad fährt durch die Menge – keine Absteigelinie. Der Kampfrichter und mehrere Leute die dort stehen, gehen zur Seite. Ok, dann also doch durch den hinteren Eingang. Dann höre ich‘s: „Hey, hier rein“ Ich bin bestimmt 20 m vorbeigefahren, bis ich zum Stehen komme. Mein Hinterrad blockiert und ich bremse mir, wie ich später feststellen werde, meinen Schlauchreifen kaputt. Wütend laufe ich zurück und vor Ärger achte ich nicht darauf, dass ich ja in der ersten Gasse stehe. Laufe die zweite rein und wieder zurück zur ersten. Ich sehe meine Schuhe nicht. Ich fluche. Schuhe an und los. Fischi ist wieder dran und wir laufen zusammen los. Er überholt mich und entscheidet sich für die deutlich sichtbar markierte Kinderlaufstrecke. Unsere geht dezent um die Kurve. Der Kampfrichter hat wie schon der andere offensichtlich auch schwere Arme und lässt sie unten. Ich rufe Fischi hinterher, dass er falsch ist. Ich sehe Ulf absteigen, Matze kommt mir entgegen und Marco kurz dahinter. Das kommt mir alles so kurz vor, dass ich mich schon in wenigen Minuten auf einem zweistelligen Platz sehe. Glücklicherweise ruft mir Marisa hinterher, dass ich „laufen kann“. Das ist gelogen, erinnert mich aber daran, dass ich gerade entnervt, entmutigt und völlig aus dem Konzept geraten dahintrotte. Ich mache mich gerade und laufe los.

5 km Laufen

Das erste Stück durch den Wald nehme ich kaum wahr. Ich bin schon Fünfter, weil die jungen Bengels sofort vorbeilaufen. So richtig habe ich nichts mehr herausfahren können auf den letzten 5-6 km und dazu bestimmt 10-15 Sekunden beim Wechsel verloren. Ich bin pappesatt, komme aber einigermaßen in Tritt. Sie laufen doch nicht so schnell weg, wie ich dachte. Dann kommt der Nächste – Benjamin Klotz. Nicht soo schnell – aber doch zu schnell zum Folgen. Fritze kommt nach knapp der Hälfte und meint, dass ich gut unterwegs bin. Auch Tiger, der etwa einen Kilometer vor dem Ziel vorbeiläuft, beschwert sich, dass es immer schwerer wird, mich einzuholen. Sie haben ein sehr gutes Tempogefühl, ich war tatsächlich beim Laufen eine fette Sekunde schneller als letztes Jahr …
Hinter der Brücke kommt überraschenderweise niemand in Sicht, so dass ich nicht sprinten muss. Ich traue dem Frieden nicht und halte das Tempo trotzdem hoch, so dass ich an Tiger wieder etwas rankomme, der offenbar schon rausgenommen hat, da er nach vorn keine Chance sieht und mich nicht so richtig fürchtet auf der Laufstrecke. Er soll Recht behalten und läuft als Siebenter 12 Sekunden vor mir ins Ziel.

Fazit:

Ich weiß natürlich, dass Fehler passieren, aber wie in den vergangenen Jahren klafft in Löderburg leider eine Lücke zwischen der sehr guten Organisation des Wettkampfes und der Motivation eines Teils der Helfer, was sicher auch daran liegt, dass vor uns schon eine Reihe an Rennen war und der Tag lang ist.

Und sicher ist es nicht das erste Mal, dass ich als Führender die Helfer quasi wecken musste (Ist mir 1992 beim Tanner Harztriathlon im Wald auf der Laufstrecke tatsächlich passiert) – aber heute hat‘s mich dabei mal richtig erwischt. Klar hätte Tiger mich auch noch abgekocht, wenn ich 15 oder 20 Sekunden eher losgelaufen wäre – aber ich hätte zumindest die Spur einer Chance gehabt.

Ich muss mich nochmals bei allen Beteiligten für mein Rumgemotze während der Wechselaktion entschuldigen – habe ich soweit auch nach dem Rennen gemacht. Adrenalin im Blut und Sauerstoffarmut im Kopf sind allerdings keine guten Berater bei der Wortwahl. Man möge mir verzeihen!

Und: ich werde das zum Anlass nehmen, dafür zu sorgen, dass unsere Helfer noch eindringlicher eingewiesen werden. Am Sonntag könnt ihr dann über uns meckern!