Saisonstart auf dem Hollandrad

Am Schlussanstieg mit dem Damenrad abgekocht: Ja, ich sehe es ein, das ist nicht die feine Art.

Vorrede

Ich bin eigentlich gut durch den Winter gekommen doch leider hat es mir im Januar mal wieder die Schulter rausgehauen. Dieses Mal so verhakt, so dass sie unter Narkose wieder eingerenkt werden musste. Also entschloss ich mich zu dem, was ich bislang zu verhindern versuchte: Eine Schulter-OP. „Da war viel kaputt – ich habe aber alles repariert“ waren die Worte mit denen ich nach der OP begrüßt wurde. Es folgten 6 Wochen Stillehalten, wenn alle anderen dabei sind, sich auf die Saison vorzubereiten. Gut, ein bisschen auf der Rolle und nach ein paar Wochen dann „lockeres Traben“, wurde mir erlaubt. Allerdings hat das tatsächlich vier Wochen lang weh getan, so dass einem die Lust am Training auch ein wenig vergehen kann. Dann aber nach 6 Wochen – genau drei Tage vor dem ersten Duathlon die Freigabe: Ich darf wieder richtig Sport machen. Was also tun? Lust auf Wettkampf war da, aber stellt man sich ohne vernünftiges Training mit einem ziemlich steifen Arm bei einem Windschattenrennen an den Start? Eher nicht.

Ich starte beim Einsteigerrennen!

Das kannste eigentlich nicht bringen. Heißt ja nicht „Jedermann“, sondern „Einsteiger“. Ich stellte mir vor, wie das aussehen würde, wenn da tatsächlich lauter echte Anfänger am Start stehen und Grammi gewinnt aus Versehen in seinem 30. Triathlonjahr einen Einsteigerduathlon. Nee, das ging nun wirklich nicht. Also musste ein Handicap her. Auf meinem Hollandrad sitze ich ohnehin derzeit besser als auf dem Rennrad aber damit bestünde nun wirklich keine Gefahr, besonders schnell zu sein. Der Plan war also, im Mittelfeld mitzulaufen und dann irgendwie im Windschatten bei den Rennrädern mitzurollen. Klang jedenfalls machbar.

Also noch Karsten überredet, es ebenso zu tun und ab nach Halle.

Endlich wieder Wettkampfluft!

Nur 10 Teilnehmer, davon 7 Männer. Schon an der Startlinie war klar, dass hier keine Ersttäter ins Rennen gingen, sondern eher junge Bengels, die noch nicht beim „Großen“ starten durften oder wollten. Alle in Triathlonkleidung. Alles klar!

Startschuss und ich war hinten. Vorn ging die Post ab, Karsten machte Tempo. Ich lief (gefühlt) zügig hinterher und machte mir keine Gedanken. Ich wollte ja nur mitmachen, um zu sehen, wie ich drauf bin. Die Uhr piepte für den ersten Kilometer nach 3:59 min. Hossa, das ist schnell für mich! Und damit liege ich also beim Einsteigerrennen auf dem letzten Platz! Die Zuschauer nahmen das schmunzelnd zur Kenntnis und ich bekam freundliche Ratschläge zugerufen. Die nächsten beiden Kilometer waren dann nicht ganz so schnell aber mit 4:17 min im Schnitt war ich nicht unzufrieden. Gerade Mal zu einem Läufer hatte ich annähernd Kontakt halten können. Der Rest war weg. Außer Sicht. Der Plan war damit nicht ganz aufgegangen. Mitrollen schien sich erledigt zu haben.

18 km Singlespeed

Mit dem Hollandrad ist ein schneller Wechsel kein Problem, da man ja gleich mit Turnschuhen fährt. Ich konnte den Vorletzten überwechseln und fuhr los. Ich war gespannt auf die Strecke, da sie mir zwischen “ der Hammer“ und „hat es in sich“ von verschiedenen Leuten angekündigt wurde. Da wir uns im Flachland befanden, rechnete ich mit allem anderen außer einer rasenden Abfahrt als erstes. Aber die kam. Gut, dass ich die Vorderbremse repariert hatte und auf den Rücktritt war auch Verlass. Mein Verfolger saß mir im Nacken. Da er klein, leicht und jung war, konnte er mich in der Abfahrt noch nicht erreichen. Aber am Anstieg kam er näher und oben war er dran und setzte sich in meinen Windschatten. Nach kurzer Zeit forderte ich ihn auf, auch mal zu führen und wir einigten uns auf eine Zusammenarbeit. Während ich so um die 32 km/h hinbekam, fuhr er nun 35. Das war angenehm. Ich konnte im Windschatten auch mal rollen lassen, denn ich, der ich lieber einen harten Gang fahre, habe mich fast totgekurbelt. Das Rad rollte gut – aber die Übersetzung war eindeutig limitierend. Gegen Ende der ersten Runde kam sogar vorn der Drittletzte – also Platz 5 in Sicht. Ich sagte zu meinem Begleiter, dass wir uns den als Ziel setzen sollten. Er war einverstanden und wir leierten hinterher. Ich fürchtete allerdings, dass er mich am Berg stehen lassen würde und bereitete mich darauf vor, alles zu geben, um nur dranzubleiben. Hier war der Gang dann nicht mehr zu leicht. Ich musste ganz schön reintreten. Aber nach der Hälfte des Anstiegs wurde mein Begleiter etwas kurzatmig und meinte dass er nun doch nicht so schnell hochkommt. Ich nahm etwas raus und sagte, dass wir weiter zusammenbleiben sollten. Oben fing er sich wieder und wir setzten die Verfolgung fort. In der Ebene kamen wir nicht wirklich heran. Es blieben ca. 20 Sekunden. Dann zum dritten Mal der Berg. Unser „Ziel“ quälte sich den Berg hoch. Wir kamen näher, aber mein Begleiter konnte mir auch nicht so recht folgen. Es war abzusehen, dass wir bis oben nicht dran sein würden. Ich musste eine Entscheidung treffen – also ging ich aus dem Sattel und sprintete, wenn man das so nennen konnte, den restlichen Berg hinauf. An der Kuppe war ich fast dran – aber nur fast. In der Ebene waren es dann doch wieder gut 50 m. Verdammt! Jetzt hing ich zwischen den beiden und das war eigentlich nicht mein Zeil gewesen. Der von hinten kam nicht heran. Der von vorn hatte mich nicht bemerkt, fuhr aber auf seinem Rennrad zügig dahin. Ich begann, jeweils so lange und so schnell ich konnte zu leiern und immer, wenn meine Beine drohten zu platzen, machte ich mich klein und rollte ein Stück. Ich kam näher und kurz vor der Senke zum Schlussanstieg war ich endlich dran. Puh! Ich hechelte, meine Beine glühten und was machte er? Ohne sich umzudrehen winkt er mich nach vorn, dass ich auch mal führen soll. Ich sagte nur: „Das wird nix, du wirst mir gleich in der Abfahrt wieder wegfahren. Guck dir mal meine Schaltung an – da ist nämlich keine“ und rollte neben ihn. Ungläubig sah er mich und mein Rad an und meinte: „Bist du in der zweiten Runde oder erst in der ersten?“ „Leider auch in der dritten“, erwiderte ich und er fragte ungläubig, ob wir zusammen gewertet würden. Ich bejahte und die Abfahrt begann. Wie auch bei meinem vorherigen Begleiter musste ich feststellen, wie unglaublich gut die Karre bergab rollt (über 58 km/h sagte meine Aufzeichnung) und ich blieb dran. Den Schlussanstieg wollte er sich natürlich nicht nehmen lassen. Er schaltete in einen schön leichten Gang und kurbelte davon. Zehn, fünfzehn Meter fuhr er mir schnell davon und dann wurde er fest. Oben auf dem Berg stand Conrad mit der Kamera und ich dachte, dass das ein lustiges Bild geben könnte. Ich ging wieder aus dem Sattel und sprintete an ihn heran. Er sah mich an und grinste. Ich lächelte zurück und sagte ihm, dass das jetzt nur für die Kamera sei. Er war offenbar im Eimer und sagte nichts. Ich zog vorbei. Er blieb in der Ebene dran und wir rollten gemeinsam in den Wechselraum.

… und noch 1.500 m Lauf

Vom Sprecher angekündigt und angespornt beeilte ich mich und der Wechsel ging zügig vonstatten. Naja, 1.500 m müssten zu schaffen sein. Ich meinte, etwas hinter mir zu hören und rechnete fest mit meinem Verfolger. An der ersten Wende sah ich, dass er mindestens 50-60 m hinter mir war und offensichtlich den Wechsel komplett verhauen hatte. Naja, der wird mich schon holen – ist ja vorhin über eine Minute schneller gelaufen. Andererseits … ist ja jetzt nur noch die Hälfte. Also nicht nachlassen. An der nächsten Kurve blickte ich zurück und es war klar: der ist platt. Beim Vorbeilaufen am Ziel bekam ich wieder wertvolle hinweise von Steffen zu meinem Laufstil, die ich natürlich sofort umsetzte. Karsten kam mir vor der zweiten Wende entgegen. Er lag auf Platz 4 – aber noch weit vor mir. Ist also mit seinem Damenrad auch gut über die Strecke gekommen nach der Führung beim ersten Lauf. Die zweite Wende zeigte ganz klar: ich lief schneller als meine Verfolger. Na super, vielleicht sollte ich öfter mal das Rad nehmen. 1.500 m sind nicht viel und so war das Rennen schnell vorbei. Den zweiten Lauf sogar schneller gelaufen als den ersten, das schaffe ich auch selten. Und in anbetracht dessen, dass ich nur mitmachen wollte, ist der 5. Platz auch völlig in Ordnung und egal zugleich. Aber mit meinem Rennen kann ich absolut zufrieden sein. Und Spaß hat es vor allem gemacht. Ich glaube, in Tangermünde gehe ich an den Start. Da weht dann wieder ein anderer Wind und ich bekomme eine ordentliche Packung. Aber scheiß drauf, ich habe ja eine Ausrede, von der ich lange zehren kann … ;-)