Ich kann’s einfach nicht lassen …

Endspurt: Martin Wille vom USC treibt mich voran und hilft mir ungewollt, Christian Damboldt noch einmal zu schlagen. Es wird immer knapper.

Vorher

Ich war mir letztes Jahr so sicher, dass es mir mir nur noch bergab geht. Enttäuschende Ergebnisse, nachlassende Leistungen, Verletzungen und immer wieder die ausgekugelte Schulter. Die Entscheidung mich vom Ligabetrieb zurückzuziehen, erschien mir wie eine Erlösung und das Zuschauen und Fotografieren machte mir die restliche Saison echt Spaß. Klar habe ich immer mal wieder überlegt, wo ich denn heute im Feld gelegen hätte – aber es hat mich nicht wirklich gejuckt.

Naja, ganz ohne Sport kann ich nicht und so habe ich weiterhin gemacht, was mir Spaß macht: Radfahren. Das Schwimmen habe ich praktisch komplett gelassen und gelaufen bin ich nach Lust und Laune. Nach der Schulter-OP und fast sechs verpassten Wochen der besten Formaufbauzeit keimte im Mai plötzlich eine solche Lust am Training auf, wie ich sie lange nicht gespürt hatte. Irgendwas in mir wollte wissen, ob und wie schnell ich mich in Form bringen kann. Die ersten Schwimmeinheiten waren hart – aber nicht so schlimm wie befürchtet und die Fortschritte rasant. Rad lief zunehmend besser und Laufen – naja: Wenn ich viel laufe, werde ich nicht viel besser und wenn ich wenig laufe, werde ich kaum schlechter. Hauptsache ich fahre Rad – das scheint der Kern meiner Leistungsfähigkeit zu sein.

Ich mache alles anders als in den letzten Jahren. Deutlich weniger, dafür intensiver. Ich trainiere immer genau das, worauf ich Lust habe, so wie früher. Nicht mehr nach Puls – nur nach Gefühl.

Race Day

Und so fuhr ich ohne Druck aber mit großer Lust zum Barleber. Vor dem Start war ich trotzdem ordentlich aufgeregt. Warum eigentlich? Letztes Jahr war ich 27. und ich hatte Marisa zu Hause erklärt, dass ein Platz unter den ersten 30 ein toller Erfolg wäre, ein Platz unter den ersten 20 sensationell und ein Platz unter den ersten 10 utopisch. Also was?

850 m Schwimmen

In alter Gewohnheit stellte ich mich ganz rechts hin, um meine Schulter zu schützen und nicht ins Gedränge zu geraten. Leider standen dort die eher langsameren Schwimmer und überhaupt hatte ich niemanden von den schnelleren aus meiner Welle gesehen. Ach, was soll’s? Meistens kommt es sowieso anders. Also Start und Attacke! Das Wasser war angenehm und ich hatte sofort ein gutes Gefühl. Die erste Boje war recht weit draußen, keine Sonne von vorn, klares Wasser. Ich hatte den kompletten Überblick und so schwamm ich neben dem Feld her, bis es sich etwas auseinanderzog, suchte mir eine Lücke und schwamm von der Seite hinein. Meist sortiert es sich erst nach der ersten Boje, weil da die Leute, die zu schnell angehen, zurückfallen. Also dranbleiben und Geduld. Die Boje kam – kein Gedränge und ich hatte ein paar Füße (wahrscheinlich Dietzis – wie sich später herausstellte), ohne zu viel Beinarbeit. Dahinter ließ es sich erstmal verschnaufen und umsehen. Neben mir Jens Bendler. Ein Blich nach hinten: Marie Alert! Ohne Neo – knapp. 2 Längen links hinter mir. Na perfekt! Sie hatte wohl nicht den besten Start oder ließ sich als gute Schwimmerin nicht von der Starteuphorie mitreißen. Keine Ahnung. Aber es war zu erkennen, dass sie schneller schwamm als wir. Ich wartete, bis sie vorbeizog und wechselte zu ihr rüber. Hoppla – das war jetzt wirklich ein wenig schneller. Wir zogen sofort an Dietzi vorbei und das Überholen begann. Zuerst hangelten wir uns ein paar Plätze in unserer Welle nach vorn und dann waren wir auch schon in der ersten Welle angekommen. Ich blickte kaum noch nach den Bojen, sie schwamm geradeaus – ich vertraute ihr und konzentrierte mich auf meine Technik. Die Rövers hatten mir vor dem Start gesagt, dass die Strecke ca. 1000 m lang sei – sie waren sie abgeschwommen. Ich bereitete mich also aufs Durchhalten vor mit meinen wenigen Schwimmkilometern. Hintenraus wurde es zwar hart – aber ich blieb dran.

An Land. Ebensowenig wie ich meinen Neo vor dem Uni-Tri anhatte, hatte ich das Ausziehen geübt. Ich fand das Band nicht. Ich rannte durch den Sand und bekam das blöde Band nicht zu fassen. 15-20 m von meinem Platz entfernt dann endlich – ratz fatz – der Rest ging wie im Schlaf und ich rannte mit meinem Rad los. Der Schuh schliff am Boden – jetzt bloß nicht ausklicken. Aufsteigen könnte man also auch mal wieder üben. Am Kieswerk hatte ich dann auch meine Schuhe an und nun konnte das Rennen beginnen!

20 km Rad

Ich war ja schon mitten in der ersten Welle und das Überholen ging weiter. Leichter Nordwind – also Gegenwind auf dem Hinweg. Das machte mir nichts aus. Der Schnitt arbeitete sich langsam nach oben – aber 38-39 km/h – weiter nach oben wollte er auf dem Hinweg nicht. Die Beine waren gut. Ich war gespannt, wann mir die erste Welle entgegenkam. Im Wäldchen saß Robert Zander resigniert am Boden. Offenbar hatte er seinen zweiten Platten der Saison. Verdammt. War das Fischi vorn? Kurz hinter dem Wäldchen jedenfalls. Zeit im Sinn. Ulf drei Minuten dahinter. Kurz darauf Tobi und Dennis Schmidt. Sie waren etwa 8 min vor uns gestartet – ich hatte auf Ulf also noch 4 min bis zur Wende. Das erschien mir viel – ich war doch schon fast da. Wo war eigentlich Andreas? Wir hatten vorher gefachsimpelt, ob ich ihn (er war in der ersten Welle) einholen würde. Zehn Minuten erschienen mir zu fett. Aber es waren ja nur acht. Also wo war er? Kurz vor der Wende kam er. Die Zeit vergaß ich aber zu stoppen, weil ich damit beschäftigt war, Ulf und die Trimagos zu berechnen. Ich war nach etwa 3:30 an der Wende. Hammer? Oder verrechnet? Ich drückte drauf und als ich an der Stelle war, an der sie mir begegnet waren, hatte ich tatsächlich eine Minute Vorsprung. Hatte ich mich verrechnet? Egal. Jetzt musste aber langsam mal Andreas kommen. Kam er aber nicht. Na, der wehrt sich doch bestimmt. Endlich, genau unterm Mittellandkanal war ich dran und zog hinter der Kurve vorbei. Er hielt gegen und fuhr am Schleusenberg sogar nochmal vorbei. Aber dann ließ er doch reißen und war weg. Und schon war ich am Kieswerk und rollte rein.

Jemand rief mir zu, dass ich Zwölfter sei. Dass konnte ich mir kaum vorstellen. Klar, die Wellen sind manchmal ungleich besetzt – aber war ich so weit vorgefahren? War überhaupt aus meiner Welle noch wer vor mir? Ich wusste es nicht und es war ja auch egal. Die dritte Welle würde mich sowieso nach hinten spülen – aber darauf kam es gar nicht an. Ein guter Lauf musste jetzt her.

4,7 km um den Barleber See

Es fühlte sich nicht schlecht an aber eine 4:20 auf dem ersten Kilometer – mehr war nicht drin. Ich gab auch gleich einen Platz an einen, den ich kurz vorm Wechsel überholt hatte, wieder ab. Egal. Weiter. Der zweite Kilometer 4:24. Verdammt, da muss doch was zu machen sein. Dann auf dem 3. Kilometer wurde ich endlich wieder schneller und auf der Zeltplatzstraße bemerkte ich einen vom USC hinter mir näher kam. Ein willkommener Ansporn, nicht zu trödeln. Ich erhöhte das Tempo und ab dem Volleyballfeld sprintete ich. Er kam nicht ran und ich lief 3 sek vor ihm ins Ziel.

Nach einer ganzen Weile wagte ich einen Blick in die Liste. Platz 16! Wow! Wie geht denn das? Ulf und Tobi hinter mir. Ich war ziemlich verwundert. Ulf hatte wohl was mit dem Bein. Hoffentlich kommt er wieder in Gange diese Saison.

Aber der Hammer: Franzi auf Gesamtplatz 15 vier Sekunden vor mir! Und damit auch vor etlichen ziemlich guten Männern. Leider hat sie mit dieser Leistung trotzdem den Sieg knapp verfehlt. Sie musste sich auf den letzten Metern Suse Werner geschlagen geben. Aber ein tolles Rennen! (auch wenn es natürlich eine Frechheit ist, dass sie mich zum ersten Mal geschlagen hat :-)

Fazit

Ich bin ganz gut in Form, habe Spaß dran und mich erstmal für die nächsten 3 Rennen angemeldet. Mal sehen, was da geht …