Havelhammer mit schweren Beinen

Havelhammer, 16. Juli 2016

Der vierte Wettkampf innerhalb von vier Wochen. Ich fühlte keine Spur von Anspannung, Nervosität oder irgendwas, was man sonst vor Wettkämpfen so kennt. Es fühlte sich ein bisschen so an als würde ich zur Arbeit gehen – aber nicht zum Wettkampf. Aber ansonsten fühlte ich mich gut. Und so konnte es losgehen.

1.500 m in der Havel

Meine neue Geheimtaktik zur Verhinderung von Panikattacken sieht es vor, langsam anzugehen und Puls und Atmung allmählich hochzutreiben. Das hatte in Wischer letzte Woche gut funktioniert und so wollte ich es auch wieder probieren. Das Feld war nicht so groß, ich orientierte mich links, um nicht ins Gewühl zu geraten und Start! Mit Neo und Einheitsbadekappen ist es ja immer etwas schwierig, zu erkennen, wen man so um sich herum hat. Im trüben Hafenbecken praktisch unmöglich. Ich hatte bei der Schwimmeinweisung nicht so richtig zugehört, da sich ohnehin nicht vornweg schwimmen würde und so fragte ich mich – wahrscheinlich wie die meisten – erst nach dem Startschuss, ob die beiden Bojen am Ende des Hafenbeckens ein Tor darstellen, durch das man hindurchschwimmen muss oder ob man auch die Linke noch umrunden soll. Ich hielt erstmal auf die Mitte zu und die meisten schienen das zu tun. Allerdings waren irgendwie nicht so viele schnelle Schwimmer dabei, wie bei den letzten Rennen. Ich versuchte mal zu zählen und schätzte, dass ich etwa Zehnter sein müsste. Dann kam es wie es kommen musste und alle, die ich sehen konnte, zogen nach links. Also gut, kleinen Umweg geschwommen. Ich war nun langsam auf Betriebstemperatur und begann ein paar Leute zu überholen, erkannte aber immernoch keinen. Auf dem Weg zur Brücke war ich dann neben Dirk, wir schwammen eine Weile nebeneinander doch dann fiel er zurück. Einmal merkte ich noch seine Hand auf seinem Fuß und als ich mich das nächste Mal umschaute, war er schon so weit zurückgefallen, dass ich es kaum glauben konnte. Das gab mir aber auch irgendwie Selbstvertrauen. 20, 30 m vor mir schwammen zwei weitere Schwimmer. Auf der Havel auf dem Rückweg kam ich langsam näher und hatte irgendwann den Hinteren. Ich blieb einige Züge lang an seinen Füßen aber tatsächlich war ich schneller. Also wieder raus und vorbei. Das ging jetzt nicht mehr so spielend wie bei den vorherigen aber ich kam vorbei. Vor uns fuhr ein Paddelboot und weiter vorn noch eins. Ich konnte zwei Schwimmer erkennen aber die waren ziemlich weit weg. Und da ich noch nie beim Havelhammer gestartet war, hatte ich auch keine Ahnung, wo der Ausstieg ist. Zwischenzeitlich hatte ich auch den vorderen Schwimmer eingeholt und wir lagen gleichauf. Ich sah vorn jemanden mit blauer Badekappe am Ufer und mir kam in den Sinn, dass man langsam an den Ausstieg denken sollte. Beim genaueren Hinsehen war die nächste Boje am Ufer und ich hielt darauf zu. Mein Begleiter wollte sie großzügig umschwimmen, wurde aber von den Helfern noch rechtzeitig, bevor er auf sich in Richtung Mündung auf den Weg machte, zum Ausstieg aufgefordert. So setzte ich meinen Fuß knapp vor ihm an Land und … es war Ulf! Ich kann also schneller als Ulf schwimmen – leider nur, wenn ich vorher langsamer geschwommen bin. Wir blickten uns beide gleichermaßen verdutzt an und liefen zum Wechsel. Bei den Fahrrädern stand Franzi und ich fragte, wie wir liegen. Sie rief Zweiter und Dritter. Naja, dass konnte wohl schlecht sein. Aber es deutete zumindest drauf hin, dass wir gut im Rennen lagen.

40 km Rad

Also rauf aufs Rad und los. Raus auf die Straße und leider fühlte es sich erstmal gar nicht so gut an. Dabei war der Asphalt gar nicht so schlecht, wie beschrieben. Ich rechnete damit, dass Ulf jeden Moment vorbeifahren würde. Tat er aber irgendwie nicht. In Nitzow zeigte meine Uhr, die ich dusseligerweise an der Zeitnahme angehalten hatte, statt auf Radfahren um zuschalten und erst nach dem Startanstieg wieder gestartet hatte, einen 41er Schnitt. Hm, lief also doch irgendwie. Aber dann kam der üble Teil. Nach dem Ortsausgang Flickenteppich vom allerfeinsten und rauer Asphalt. Und irgendwie geht die Strecke ja auch allmählich immer hoch und wieder runter. Ohne dass man es richtig merkt. Irgendwann zwischen Nitzow und Quitzöbel macht die Strecke dann einen Linksknick und dann kam der Wind auch noch von vorn. Der Schnitt war nun wieder unter 40 aber es lief. An der Wende sah ich dann Balazs Ovad in Führung und Thomas und Tiger dahinter. Ich hatte weniger als eine Minute auf Tiger und rechnete damit, dass ich ihn bald holen würde. Ulf hatte etwa 30 sek Rückstand und die Trimagos – Dennis und Frank waren noch ein Stück hinter ihm. Und Jens Abraham musste deutlich besser drauf sein als noch in der vorigen Woche. Der war höchstens zwei Min hinger mir. Naja, dass würde heute nichts werden. Der Rückweg war dann gefühlt eher ansteigend und ich kam nicht näher. Die hinten aber auch nicht. Außer Florian Bögge – der kam schon kurz nach der Wende mit einem Affenzahn vorbei und wurde schnell kleiner. Hm. Was war das denn? An der Wende bei Start/Ziel hatte ich den Vorsprung halten können oder sogar ein bisschen vergrößert zumindest auf Ulf. Der zweite Weg nach Quitzöbel fühlte sich dann sogar besser an. Aber da, wo die Strecke den Knick macht, kam Dirk nun auf einmal vorbei. Mit dem hatte ich mich in Bergwitz noch gefühlte 30 Mal gegenseitig überholt. Aber heute war er einfach schneller. Irgendwie schien mir Wischer doch noch in den Beinen zu stecken oder die drei Rennen zusammen – ich weiß es nicht. An der Wende sah alles noch ganz gut aus. Vielleicht wieder ein paar Sekunden auf Tiger gutgemacht und fast eine Minute auf Ulf – allerdings hatten Dennis und Frank nun Ulf eingeholt. Die fuhren also wirklich schneller. Der Rückweg war hart. Meine Kraft ließ deutlich nach und mein Rücken schmerzte. Kurz vor dem Ziel kam dann auch Dennis vorbei und Ulf und Frank waren direkt hinter mir. Also dann zum Wechsel und mal sehen, was die Beine sagen.

10 km hoch und runter

Ulf und Frank waren direkt dran und Frank ging sofort vorbei. Ulf und ich liefen zusammen los aber ich sortierte mich gleich hinten ein. Es ging ja gleich zum Schmokenberg hoch und da muss man es nicht in der ersten Runde übertreiben. Ich verlor zwar ein paar Meter aber es ging irgendwie noch. Dann gleich wieder steil runter – was ist das bloß für eine Strecke. Und wieder zurück zum Start und um den Wechselgarten herum. Auf der Spülinsel ging es ein wenig flach geradeaus und dann schon über die Brücken übel! Aber ich lief noch einigermaßen vernünftige Zeiten und Ulf war auch noch in Sicht. Der Weg zum Ziel am Hafenbecken entlang lief nur im Zickzack über Fußwege mit Einfahrten. Furchtbar! Kein Rhythmus zu finden. Aber die erste Runde war noch unter 4:20 – was ich unter diesen Bedingungen ganz ok fand. Auf der Radstrecke hatte ich mir ausgerechnet wie lange ich denn für die Laufrunde brauche und wen ich denn von den Loslaufenden nach einer Runde als Laufpartner bekommen würde. Ich hatte auf Florian Frommhagen gehofft, da wir beim Uni-Triathlon ein Stück zusammen gelaufen waren und ich hoffte, dass ich ihn heute dazu bringen würde, länger dranzubleiben. Aber er war nicht zu sehen. Stattdessen Michael Kohlert. Der lief kaum langsamer als ich – wenn überhaupt. Also genau richtig, um sich dran festzubeißen und das eigene Elend zu vergessen. Den Berg kam ich in der zweiten Runde schon kaum noch hoch. Und runter ging auch nicht so recht. Über die Insel und dann an der ersten Brücke hatte ich ihn dann. Ich versuchte ihn kurz davon zu überzeugen, dass ich wirklich lange gebraucht hatte, ihn einzuholen und dass ich genau sein Partner für die nächsten 1,5 Runden sei. Aber er hatte zu viel Respekt davor, dass er ja noch eine Runde weiterlaufen musste und ließ reißen. Schade. Also wieder allein weiter. Dirk hatte ich ja schon in der ersten Runde wieder eingeholt und er hatte mir noch mit auf den Weg gegeben, das Karsten Pinno mich nun bald einholen würde. Also wartete ich. Aber er kam erstmal nicht. Die zweite Runde ging auch vorbei und nochmal diesen verdammten Berg hoch. Ich stand. Aber so langsam ich auch lief – ich hatte am Anfang ja drei Plätze abgegeben an Ulf, Frank und Jens, der auch nicht lange auf sich warten lassen hatte und einen gutgemacht – ich lag immernoch auf Platz 9. Dann – in der dritten Runde war es dann soweit. Karsten kam in Siebenmeilenstiefeln vorbeigerannt. Und war praktisch sofort wieder außer Sicht. Würde Ulf das halten können? Schwer zu sagen. Ich trottete dem Ziel entgegen und konnte sogar noch Kersten überrunden. Ich bewegte mich also doch noch! Immer noch Zehnter und endlich war ich im Ziel. Kurz nach mir kam schon Steffen, der mal eben über 6 min schneller gelaufen war als ich. Aber leider 15 sek zu langsam :-)

Meine Fresse, ich brauch erstmal eine Pause. Diese Woche wird erstmal nicht viel trainiert. Das steht fest.

Der Havelhammer ist ein schöner Wettkampf – ich war ja 2008 mal beim Sprint am Start – aber seitdem hat sich die Veranstaltung ganz schön herausgemacht. Kompliment.

So, dann mal sehen, wie es weitergeht und ob ich meine Beine für den zweiten Teil der Saison wieder hinbekomme.