Ein Sieg! Juhu ein Sieg!

Vor etlichen Wochen kam Steffen mit der Idee, mal irgendwo als Staffel zu starten, wo wir beide als passabler Radfahrer bzw. Läufer uns noch einen richtig guten Schwimmer suchen und dann aber jeder in seiner schwächsten Disziplin startet. Einfach so. Nach einigem Fragen und Überlegen war es dann Marta. Und kurz darauf fragte mich Steffen, ob wir nicht lieber zwei Staffeln machen wollen, wenn wir schonmal da sind. Einmal Marta, Grammi, Steffen und einmal Steffen, Marta, Grammi. Kurz drüber nachgedacht – klar das funktioniert – bin dabei!

Außerdem wurde das Saisonfinale der Liga kurzerhand an den Heidesee verlegt. Doof gelaufen für den MTC: Wir lagen zwar auf Platz 2, aber die Rövers waren schon lange wo anders gemeldet, Ulf hatte was anderes vor und ich wollte nun nicht für eine Ligasaison, um die sich weder die Rövers noch Ulf oder ich sich besonders gekümmert hatten, Steffen und Marta sitzen lassen, um doch noch einen Ligastart zu machen, was ohnehin nichts gebracht hätte. Also wurde auf „Dritten-Platz-halten“ gesetzt und es mussten drei Mann ins Ziel kommen. Andreas, Philipp und Conrad ließen sich nochmal für einen Start motivieren, obwohl zumindest Andreas und Conrad kaum noch was gemacht hatten. Andreas trainierte sich in den letzten 3 Wochen nochmal sein „Ich-bin-jetzt-Papi“-Bäuchlein weg und sah wieder aus wie ein Triathlet. Alle drei waren frohen Mutes und ich war aufgeregt. Natürlich vor allem wegen unserer zwei Staffeln. Ich war seit Jahren nicht mehr in einer Staffel gestartet und vor allem noch nie in zweien zugleich. Aber auch das Ligarennen erwartete ich voller Spannung. Ich suchte mir einen guten Platz zum Fotografieren des Starts und hätte mich dann eigentlich warmmachen müssen, da wir zusammen mit den Jedermännern eine Stunde später starteten. „Nur noch bis sie aus dem Wasser kommen“, dachte ich mir. Wieder Sucki vorn dahinter Jonas Meyer und dann ging es Schlag auf Schlag. Ich war so dabei, dass ich zwischendurch das Fotografieren vergaß, ich Depp. Dann, direkt hinter Tobi Lindstädt kommen direkt hintereinander Philipp, Andreas und Conrad aus dem Wasser. Ich schreie wie wild, dass sie sich bei Tobi reinhängen sollen und rechne fest damit, dass da ein MTC-Express etliche Plätze gutmachen wird. Aber ich habe nicht mit Andreas‘ Rennübersichtsdemenz unter Sauerstoffarmut gerechnet: Wie ich später erfahre, fährt er als Letzter den beiden anderen hinterher, ballert ran … und vorbei. Als ich jedenfalls oben der Strecke angekommen bin, sehe ich Tobi, dann eine Weile nichts und dann Andreas, kurz danach Philipp, der wenigstens eine Gruppe hat und dann einsam Conrad. Ich bin sprachlos und gehe mit Marta und Steffen zum Start.

Mit meinen üblichen Anstachelungen schaffe ich es offensichtlich, Marta ein wenig aufzupeitschen. Sie ist fest entschlossen. Steffen wirkt gelassen. Der Startschuss fällt und ich gehe zum Wechselgarten. Dort stehen die anderen neun Staffelradfahrer bereit. Bzw. acht, denn Marco, der mit Stefan Pankonien startet, kann ich nicht sehen. Nachdem etwa 7 min herum sind und ich denke, dass nun bald die ersten Jedermänner und mit ihnen Marta kommen müssten, gehe ich bedeutungsvoll zur Wechsellinie und traue meinen Augen kaum: Marta kommt allein als Erste angerannt. Hoppla! Ich renne vor Schreck fast an meinem Rad vorbei, bekomme es dann aber doch zu fassen und ab die Post! Den Berg hoch natürlich übermotiviert schnell, merke ich oben angekommen schon das Laktat einschießen. Ich nehme Tempo auf und dann aber erstmal ruhig. Aber was ist das? Der Fahrer vom Führungsmoto sieht wohl nicht in den Spiegel. Ich bin ein wenig zu dicht dran. Ok, das kann man sich nicht entgehen lassen, er merkt das bestimmt gleich. Wir fliegen mit 47 km/h durch den Ort bis zur Ampel. Hinter der Kurve ist er dann etwas weiter weg. Schade. Der Anstieg zieht sich ganz schön und nach oben wird man immer langsamer. Aber ich habe gute Beine und bin zackig oben. Schön eng um den Kegel und los geht es in die Abfahrt. Das ist „ihm“ nun wirklich zu viel. Er rechnet nicht damit, dass ich die 60 durchbreche und ich muss bremsen, rufen, zum Überholen ansetzen. Er merkt es und zieht wieder davon. Und wird wieder langsamer. Klar, dass ich bei jedem Mal ordentlich Windschatten abbekomme. Aber er sieht jetzt öfter in den Spiegel, so dass ich zumindest keine Angst mehr habe. 25 Sekunden nach der ersten Wende kam schon Marco als Zweiter angefahren – also 50 sek Vorsprung. Wenn ich davon ausgehe, dass Stefan nicht nur 50 sek langsamer schwimmt, fährt er also ran. An der zweiten Wende ist der Abstand in etwa gleich. Wo ist eigentlich Marta? Erst jetzt fällt mir ein, dass meine Schwimmerin von eben ja nun meine Verfolgerin im „gegnerischen“ Team ist. Drei Minuten etwa. Ich fahre zum zweiten Mal den Berg hoch. Es rollt, kann man fast sagen. Wieder die Abfahrt, Zeit messen: etwas über 30 sek und wieder fährt mein Motorrad zu langsam. Ich sauge mich an und setze zum Überholen an. Er zieht an aber nicht weg. Wow, das hätte ich mir mal für einen Triathlon gewünscht! Ich überrunde einen nach dem anderen – klar im Jedermannrennen ist das kein Kunststück aber es fühlt sich trotzdem gut an. Zum dritten Mal den Berg hoch und runter: Marco fällt zurück, hat kein Motorrad dabei. Ich habe ein schlechtes Gewissen – aber was soll ich tun? Bremsen? Nicht wirklich! In der letzten Runde ist es schon weit mehr als eine Minute bis wir uns begegnen. Das reicht für Steffen, denke ich mir und nehme ein wenig raus, um mich für meinen Lauf zu schonen. Denn wir wollten ja zwei Mal aufs Treppchen. Marta hat etwa 6 min Rückstand, fast hätte ich sie auch noch eingeholt. Aber es geht zum Wechsel. Auf der Kopfsteinpflasterabfahrt beschließe ich, die Schuhe doch anzulassen und lieber sicher um die Pfützen zu fahren. Was ich dabei nicht bedachte, war, dass ich ja mein Rennrad fahre und da sind die Clickpedalen fürs Radrennen eingestellt und zwar so fest, dass man im Sprint nicht rausrutschen kann. Rechts ausgeklickt, Bein durchgesteckt und … und … geht nicht! Leider habe ich den rechten Fuß schon am Boden. Mein Fahrrad kommt von hinten und ich bekomme den Schuh nicht raus. Und rums, liege ich wieder im Dreck. Aber der Schuh ist nun raus, ich stehe hoch und renne zu Steffen. Toller Wechsel! Es stellt sich heraus, dass nichts passiert ist. Ein paar Kratzer mal wieder.

Schnell umziehen, pinkeln und ein bisschen rumhampeln und schon sind die 6 min um. Eigentlich dachte ich, dass Marta irgendwo mitten im Feld ist, jetzt kommt es mir aber so vor, als wären noch gar nicht so viele da. Und schwupp bin ich auf der Laufstrecke. Die ersten drei Staffeln sind weg. Aber bei den Mixed-Staffeln könnte ich vorn sein. Nee Quatsch, vorn bin ich zwar – aber nicht mit dieser Staffel. Vorn ist Steffen. Also zweite oder dritte Mixed-Staffel. Durch meinen Sturz habe ich ein wenig den Überblick verloren. Mist! Nach 500 m merke ich, dass ich viel zu schnell laufe. 4:00 min/km ist leider nicht mein Tempo derzeit. Aber ich kann es ja mal versuchen. Mit 4:11 geht der erste KM durch – aber dann geht es hoch. Und schon bin ich bei 4:50 angekommen und verliere ein zwei Plätze – aber alles Einzelstarter. Dann kommt einer mit einem Flattershirt. Hm, das war eine Staffel – aber keine Chance dranzubleiben. An einer steilen Stelle drehe ich mich in der Kurve um und sehe einen Kampfrichter auf einem Fahrrad kommen. Na wie geil ist das denn? Steffen wird mich gleich überrunden! Tatsache! Die letzten 500 m vor dem Ziel laufen wir zusammen und feiern unseren Sieg. Marta wartet schon und wir laufen zusammen jubelnd durchs Ziel … und ich laufe weiter. Schmunzelnd mit einem Sieg in der Tasche gehe ich auf die zweite Runde. Die geht dann recht schnell vorbei und der Platz aus der ersten Runde bleibt der einzige, den ich abgeben muss. Marta und Steffen warten vorm Ziel und wir laufen nochmal jubelnd hindurch. Was für ein Spaß!

Ich bin doch ganz schön geschafft und suche Andreas, um unsere Rennen auszuwerten. Er bekommt natürlich erstmal eine ordentliche Abreibung für seine taktische Meisterleistung und er muss eine Cola ausgeben. Steffens Oma und Opa haben Kuchen dabei und wir lassen’s uns gut gehen und fachsimpeln. Während sonst die Staffelsiegerehrungen sind, wenn keiner mehr da ist, sind wir dieses Mal mittendrin und alle sind noch da. Geehrt werden wir in der Mixed-Wertung und da sind wir tatsächlich Erster und Dritter und müssen dann von Platz eins auf Platz 3 runtersteigen, um unseren zweiten Pokal zu bekommen. Herrlich!

Auch wenn der sportliche Wert unseres Erfolges natürlich höchst zweifelhaft ist (nur 3 Mixed-Staffeln am Start – und Marco mit Hilfe des Führungsmotorrades niedergerungen) war es doch ein herrlicher Wettkampf, der mich mit einer „Nachwettkampfzufriedenheit“ nach Hause fahren ließ wie lange nicht.

Vor lauter Freude über unseren eigenen Spaß ist mir doch glatt die Dramatik um die Rangliste entgangen: Ecki gewinnt die Rangliste mit 0,07 Punkten vor Dennis Alexander Schmidt. Wow, was er in den letzten Jahren für eine Entwicklung gemacht hat, da kann man wirklich nur neidisch sein. Aber ich wüsste nicht, wem ich aus dem Feld der Favoriten es mehr gegönnt hätte. Immer fair, immer bescheiden und mit Respekt für die Leistung der anderen. Ich gratuliere!

Obwohl ich gerade ausgerechnet habe, dass es am Ende gerade mal 3 Sekunden waren, die Dennis Alexander Schmidt gefehlt haben. Im Normalfall ist das natürlich klar gewonnen. Nun war allerdings die Zeitmessung ausgefallen und alles wurde per Hand erfasst. Da stelle man sich mal folgenden Dialog vor: „Zieleinlauf“, „welche Nummer?“, „warte, steht einer davor – dieeeee Siemundvierzig!“ „Zeit?“ „1:05:16!“ „Jepp, ist drinn“. Da sind drei Sekunden dann nicht mehr so viel. Ich gratuliere Dennis mal zu einem EXTREM guten zweiten Platz! … und Carlo zum Dritten!