Donnerwetter

Ich verspreche, dass ich mir keinen Regen mehr wünsche …

Unitriathlon – Mittwoch, 22. Juni 2011

Vorgeplänkel 1

Mein 22. Uni-Triathlon stand unter keinen guten Vorzeichen. Zwei Wochen zuvor hatte ich mir zum dritten Mal seit April meinen Oberschenkelbeuger gezerrt. Dachte ich zumindest, bis ich dann einen blauen Fleck in der Kniekehle entdeckte. Das deutete wohl auf einen Muskelfaserriss hin. Glücklicherweise konnte ich schmerzfrei Schwimmen und Radfahren trainieren. Laufen dafür gar nicht. Da ich auf gar keinen Fall auf einen Start beim Uni-Tri verzichten kann, musste ich schweren Herzens Bergwitz ausfallen lassen, um meinem Bein noch ein paar Tage Ruhe zu geben. Der Plan war klar: ALLES geben beim Schwimmen, die beste Radzeit fahren und dann mit äußerster Vorsicht kontrolliert durchlaufen. Mich auf kein Duell einlassen und vor allem keinen Endspurt!

Vorgeplänkel 2

Herrlichstes Wetter war vorhergesagt: Bis zum Nachmittag sonnig und warm und dann Abend hin Regen. Genau wie ich es mag. Ich war frohen Mutes. Es war fast zu warm und ich fragte mich wohl ein wenig zu sehr, wo denn die Regenwolken bleiben. Ca. eine Stunde vor dem Start kamen sie in Sicht. Karsten und ich gingen planmäßig auf die Radstrecke, um uns warmzufahren. Unterwegs erwischte es uns dann richtig. Es regnete und gewitterte so unglaublich, dass wir kaum noch was sehen konnten. Wir waren komplett durch. Glücklicherweise waren wir mit Karstens Bus da und konnten die Heizung aufdrehen. Irgendwann mussten wir aber mal nachsehen, was mit dem Start ist, da die ersten Gerüchte von Absage zu uns drangen. Im Start-Ziel-Bereich standen alle dicht gedrängt unter allem, was irgendwie Schutz bietet: Bäume, LKWs, Pavillons. Es sah unglaublich aus. Glücklicherweise hat Wolfgang ein paar Fotos davon gemacht. Der Regen wurde etwas schwächer – na sagen wir gleichmäßiger – und das Gewitter verzog sich. Micha Kauert fragte mich nach meiner Meinung, ob er nun absagen solle oder starten. Ich sagte ihm ohne zu überlegen, dass – wenn es nicht gewittert – auf jeden Fall gestartet werden soll. Es kann doch nicht alles umsonst aufgebaut und organisiert worden sein. Wir waren einer Meinung und er setzte den Start der ersten Welle auf 19 Uhr an. Wunderbar! Wir trafen die letzten Startvorbereitungen und der Regen hörte auf. Der Himmel riss sogar ein wenig auf. Die ersten beiden Wellen gingen auf die Strecke und wir standen mit einer extrem gelichteten Startgruppe am Ufer. TTT war komplett nach Hause gefahren, die Rövers verzichteten und etliche andere. Eigentlich schade – aber das erhöhte natürlich meine Chancen, auch wenn ich mir mit meinem Hinkebein keine ausrechnete. Gut 100 Leute hatten sich verzichtet. Unglaublich!

750 m Schwimmen

Der Startschuss fiel und ich nahm die erste Hürde: Vorsichtig reinlaufen. Ich hatte mich neben Rodrigo gestellt, weil ich dachte, dass er nicht so schnell schwimmt. Aber Fehlanzeige. Auch er schwimmt los, als würde er hoffen als erster aus dem Wasser zu kommen. So wühlte ich mich bis zur ersten Boje durchs Feld, biss ich dann danach, wie jedes Jahr Guido Pelz neben mir entdeckte. Ich ordnete mich hinter ihm ein. Das erschien mir zu langsam. Dann vorbeigehen – Fehlanzeige: Der Klassiker. Ich hatte aber das Gefühl, dass er nur schnell schwimmt, wenn ich neben ihm bin. Also ging ich nicht nochmal nach hinten. Wir schwammen die komplette Strecke nebeneinander und trieben uns gegenseitig an. Slalom durch den Schwanz der zweiten Welle. Vorsichtig rausrennen war die zweite Konzentrationssache. Wechsel ansonsten gut. Hundti bremst mich ein wenig aus an der Zeitnahme – aber jetzt geht’s los!

28 km Rad

Ben sagt mir 20 sek auf Karsten und über eine Minute auf Ulf an. Ich konzentriere mich auf Karsten, da Ulf ja in der ersten Welle startete. ES GEHT LOS! Die Straßen sind noch richtig nass. Vorsicht ist geboten aber ich komme gut in Fahrt. Blaue Nummern sind meine Welle – der Rest ist egal – da mindestens 5 min zurück. Ich überhole einige Blaue, so dass ich davon ausgehe nicht wirklich weit vorn zu liegen. Die Potsdamer sind in meiner Welle. Die wollte ich doch wenigstens überholen. Karsten holte ich dieses Mal erst nach dem Schiffshebewerk und er biss sich erstmal fest. Zum ersten Mal dieses Jahr kann ich den Elfer-Gang treten. Ich habe gute Beine. Der Tacho zeigt 43-44. Ich fliege durch die zweite Welle. Immer wieder blaue Nummern dabei. Bin ich so schlecht geschwommen? Dann hinter Glindenberg zwei junge Bengels machen Paarzeitfahren. Recht schnell unterwegs, blaue Nummern. Ich fahre zügig vorbei und denke schon, dass ich sie los bin. Blick nach unten und ich sehen einen Reifen genau an meinem Hinterrad. Ich winke und sage laut und deutlich: „Entweder in die Führung oder abhaun!“ Keine Reaktion. Noch ein zweites Mal. Ich erhöhe das Tempo und wechsele die Straßenseite der Vordere ein Stück im Wind und wieder ran an mein Hinterrad. Wir hetzen mit 47 km/h über die Landstraße und ich wechsele nach rechts und wieder nach links. Immer das gleiche Spiel. Mein Puls hämmert. Ich bin mir so sicher, dass sie das Tempo nicht halten können, dass ich einfach weiter draufdrücke. Nach einer gefühlten Ewigkeit lassen sie endlich reißen. Ich versuche, den Puls wieder runterzubekommen, ohne großTempo zu verlieren. Es funktioniert. In Heinrichsberg werde ich mehrfach gewarnt, dass die Kurve glatt ist. Ich fahre sehr vorsichtig rum – immerhin habe ich mir hier vor Jahren mal das Vorderrad kaputtgefahren. Alles geht glatt. Raus aus dem Sattel und weiter. Vor der Wende fahre ich in eine riesige Gruppe aus der ersten und zweiten Welle. Eigentlich hätte ich mich „hinten anstellen“ müssen. Da ich aber weiß, wie im Mittelfeld Spitzkehren gefahren werden, fahre ich innen auf den Kegel zu und rufe mehrfach laut: „Bitte rechts bleiben“ Es funktioniert. Alle holen etwas weiter aus und ich steche innen um den Kegel. Kurz bedankt und ab die Post. In Heinrichsberg hatte ich Ulfs Zeit genommen. Auf dem Rückweg freute ich mich, schon knapp vor ihm zu liegen – falls die Wellenabstände stimmten. Wieder um die Kurve – schön langsam. Plötzlich gehen ohne Vorwarnung Vorder- und Hinterrad gleichzeitig weg und greifen kurz danach wieder. Ich werde mit Wucht in den Sattel gedrückt, meine Schuhe lösen aus, ich fahre einen Riesenschlenker, kann das Rad aber abfangen. Schnell wieder rein in die Pedalen, Mist, die Sattelspitze ist ein Stück hochgekommen. Ich rede mir ein, dass sich das auch gut fährt, versuche, den Schreck zu überwinden und wieder Spannung aufzubauen. Die Fritze-Röver-Doppelkurve in der ich sonst nichtmal aufhöre zu treten, fahre ich wie ein Anfänger und auch die nachfolgenden Kurven kann ich nicht mehr schnell fahren. Egal – der Rest geht. Im Wäldchen in Richtung Glindenberg habe ich nochmal mit einem Potsdamer das Vergnügen. Wieder muss ich einige Hundert Meter volle Pulle fahren. Der Puls rast. Aber ich werde ihn los. An Anstieg zur Schleuse hole ich mir noch Phillip Krell und denke, dass ich jetzt erster in meiner Welle bin. Was leider nicht stimmt. Über meinen Gesamtplatz denke ich aus irgendeinem Grunde nicht nach. Tatsächlich lag ich jetzt schon auf Platz zwei hinter Steven Jentsch, denn unsere Welle war die absolut schnellste. Im Wechselgarten beginnt Phase drei der Vorsicht. Jetzt bloß keinen falschen Tritt auf der Wiese.

4,5 km Laufen

Krell läuft schon im Wechselgarten wieder an mir vorbei aber das spielt keine Rolle. Ben ruft mir zu, dass ich jetzt zweienhalb Minuten Vorsprung auf Ulf habe. Nicht schlecht! Aber das wird wohl nicht reichen, wenn ich mit angezogener Handbremse laufe. Mir wird klar, dass ich tatsächlich ziemlich gut gefahren sein muss. Ich laufe konzentriert ruhig los. Das ist einerseits sehr angenehm, führt aber andererseits noch mehr dazu, dass die Potsdamer schon auf der ersten Hälfte der Strecke wieder vorbeilaufen. Der Puls geht dann trotzdem hoch. Ich konzentriere mich so sehr auf mein Bein, dass mir fast alles egal ist und ich nicht mehr weiß, wer und wie viele mich überholt haben. Max Dietz – ein junger Potsdamer – war auf der Zeltplatzstraße zu mir aufgelaufen, überholte mich und kam dann nicht weg. Ich lief vorsichtig zu ihm auf – nahm mir aber fest vor, nicht weiter gegenzuhalten. Auf den letzten 500 m laufen Jerome und Karsten vorbei. Karsten will mit mir zusammen ins Ziel laufen – ich schicke ihn vor. Max erhöht das Tempo und ich werde angefeuert, gegenzuhalten. Mache ich aber glücklicherweise nicht. Ich laufe unverletzt ins Ziel – mein Bein hat gehalten. Am Ende erfahre ich, dass ich Zehnter bin. Die Laufzeit ist mit 20 min auch nicht so schlecht wie befürchtet und dazu habe ich die beste Radzeit. Ok, ok, es sind etliche von den Schnellen nicht gestartet. Was soll‘s – ich bin zufrieden!

Bilder … kommen noch