Das perfekte Rennen – Altmarktriathlon

Laufstart: Locker fühlt sich anders an … 

Foto: St. Thurmann

Samstag, 11. Juli 2009

Natürlich hatte ich damit geliebäugelt, meinen Sieg von 2007 zu wiederholen und dass der halbe Verein in Zürich startete war auch nicht die schlechteste Voraussetzung. Allerdings hatten mich Jens und Steffen eine Woche vorher am Kyffhäuser vernichtend geschlagen – Jens um schlappe 4 Minuten und auch Steffen war locker vorbeigelaufen – trotz 1500 m Schwimmen. Außerdem war Patrick da, Markus und Ulf meist gefährlich und als ich Cornelius vor dem Start sah, war mein Selbstbewusstsein nicht gerade gestärkt. Den hatte ich noch nie geschlagen.

Wie so oft habe ich‘s vor dem Start vertrödelt, warmfahren kam dadurch zu kurz und einschwimmen war fast gar nicht mehr.

1500 m Schwimmen

Ich hatte einen sehr guten Start, ließ es aber erstmal ruhig angehen. Zu meiner Überraschung ging es gar nicht so schnell los und ich sortierte mich an ca. vierter Stelle ein. Vor mir nur Patrick, Hendrik Friedrichs und Thomas Barrasch, den ich aber für Markus hielt. Auf der Gegengeraden kam Patrick wieder vorbeigeschwommen, der zwischendurch Probleme gehabt hatte. Ich hängte mich rein, musste aber nach knapp hundert Metern wieder reißen lassen. Keine Chance. Er schwamm scheinbar spielend davon. Meine Gegner waren aber hinter mir. Schließlich hatte Stendal am Kyffhäuser die Tabellenführung in der Landesliga übernommen und Steffen und Jan hatten das vor dem Start gebührend gefeiert. Die wollten wir schlagen. Den Abstand zu Hendrik konnte ich in der zweiten Schwimmrunde wieder verringern, der nach hinten wuchs sogar an. Ich stieg als vierter mit einer Minute auf Patrick und einer halben auf Hendrik und den vermeintlichen Markus aus dem Wasser. Auf die nächsten hatte ich eine Minute, so dass ich nicht sehen konnte, wer als nächstes kam.

43,5 km Rad

Hendrik hatte ich schon am ersten Anstieg also tausend Metern und fragte ihn, wer das sei, der da offensichtlich nicht Markus war. Er wusste es nicht und der Geschwindigkeitsunterschied, mit dem ich vorbeifuhr beruhigte mich. Patrick war außer Sicht. Ich erahnte in erst oben bei den Windrädern mit immer noch sattem Vorsprung. Der Wind stand ungünstig, so dass man auf der Freifläche Gegenwind hatte und später keinen Rückenwind, da dort Wald ist. Der Wetterbericht hatte gestimmt – ich war zufrieden. Patrick kam recht schnell näher. Es sah so aus als trödele das Führungsfahrzeug vor ihm, so dass er Windschatten bekommt. Das passiert häufig und in diesem Fall gibt es nur eine einzige richtige Taktik: Tempo sofort verschärfen und selbst hinter dem Führungsfahrzeug fahren. Leider stellte sich das als typische Fehleinschätzung von hinten heraus und ich war während der restlichen Radstrecke vielleicht zwei- bis dreimal im Windschatten. Schade … Aber dafür war ich schon vor Staffelde in der Führung und Patrick hatte seinen Knacks weg. Seinem Gesicht war anzusehen, dass er noch nicht mit mir gerechnet hatte.

Wenn man in der Führung ist, fängt das Rennen erst an. Keiner mehr, an den man sich heranarbeiten kann. Es wird schwer und Selbstzweifel stellen sich ein. Und es ging schwer. Die Durchfahrt nach der ersten Runde kam gerade Recht, um mich wieder aufzubauen. Die Zeit war bei gut 21 Minuten und deutete auf einen Schnitt deutlich über 40 hin, wenn man noch eine halbe Minute fürs Rauslaufen am Anfang abzieht. Die zweite Runde lief dann überraschend besser. Nicht vom Gefühl aber von der Zeit. Die ersten Überrundungen bringen Abwechslung und ich vertreibe mir die Zeit damit, auf den wenigen Abfahrten zu versuchen, die bisherige Maximalgeschwindigkeit zu überbieten und den Schnitt nach oben zu treiben, obwohl er lieber fallen würde. Rundenzeit jetzt nur noch gut 20 Minuten. Das passt. Wo bleibt eigentlich Cornelius? Normalerweise fährt er besser als ich und ich rechne damit, dass er demnächst kommt. In der dritten Runde lohnt sich aber das Umdrehen nicht mehr, da man ohnehin überrundete Fahrer nicht mehr von Verfolgern unterscheiden kann. Also reintreten. Die dritte Runde geht ohne Einbruch vorüber und ich bin hochkonzentriert. Vor dem Absteigen auf die Uhr gucken und dann mal sehen, wann mir der nächste entgegenkommt.

10 km Lauf

Der Wechsel klappt recht gut, die Stimmung unter den Leuten ist klasse und ich laufe unter großem Beifall raus. Noch immer keiner. Rechnen fällt schwer, drei Minuten sind aber auf jeden Fall schon um. Dann kann man nur noch schätzen, da ich ja laufe und die anderen mir auf dem Rad entgegenkommen. Als erstes kommt Cornelius, dann schon Jens, etwas später Ulf und Markus. Steffen sehe ich nicht mehr, der Abzweig kommt nach 1,5 km – also bei meinem Tempo ca. sieben bis acht Minuten. Aber selbst die kann er zulaufen. Ich bin alles andere als sicher. Bis dahin sind noch nicht viele durch und ich bin trotzdem erstmal erstaunt, was ich rausgefahren habe. Mindestens vier Minuten auf Cornelius und Jens. Aber auch das hätte eine Woche vorher nicht gereicht. Ich lief, was ich konnte, hatte aber nicht das Gefühl, besonders schnell zu sein. Nach der ersten Runde war ich nicht in der Lage auszurechnen, wie schnell ich nun die erste Runde gelaufen bin und vermutete 22 Minuten. Katastrophe! Mit 44 Minuten kann ich nicht gewinnen! Vor mit geht Dietzi auf die erste Runde. Mit dem war ich beim Uni-Tri die halbe Strecke um die Wette gelaufen. Ich rufe ihm von hinten zu, dass er unbedingt für mich Tempo machen muss. Wie das so üblich ist, sagt er, dass er nicht schneller kann, läuft aber dann doch ein wenig schneller und ich habe Mühe und Not an ihn heranzukommen. Das Tempo ist unerträglich und wir laufen so bis Arnim also fast 1,5 km. Dann winkt er mich vorbei, bleibt aber dran. Ich sage: „Heute gewinnen wir“, wenn er‘s nochmal tut oder so ähnlich und er tut es. Nochmal einen Kilometer. Ich überrunde andere Läufer. Völlig ungewohntes Gefühl. Kurz vor dem Anstieg – also Hälfte der Runde – geht er aus der Führung und kurze Zeit später höre ich ihn schon aus der Ferne ein letztes Mal rufen. „Lauf!“ Er hat sich offensichtlich für mich verausgabt und läuft am Ende sieben Minuten langsamer als ich. Danke! OK, noch 2,5 km. Ich laufe an Falko vorbei und scherze, dass er keinen vorbeilassen solle. Er lacht und verspricht es. Letzte Verpflegung und dann noch einen halben Kilometer bergab und 500 m flach. Ich glaube immernoch nicht daran, dass ich es schaffen kann, bin aber zu allem bereit. Schniefend, dass es mir fast peinlich ist, laufe ich bei km 9 nochmal an einigen aus der ersten Runde vorbei. Den Berg runter, alles was geht und am Abzweig Blick zurück. Nochmal zwei-, dreihundert Meter alles. Ich komme zu den Zuschauern. Immernoch am Limit. Ich wechsele die Straßenseite und blicke nochmal genau nach hinten. Ich bin mir sicher. Tempo raus. Ich lasse mich feiern, biege ab ins Objekt. Nochmal Tempo aufnehmen – man weiß ja nie … Im Ziel träumen noch alle. Ich pfeife laut, weil ich ja schließlich nicht unbemerkt reinlaufen will. Applaus! Arme hoch und genießen!